Mittwoch, 28. November 2012

Sybille Schrödter: Die Lebküchnerin

Bewertung: *****

Die junge Benedicta von Altmühl, wird nach dem Tod ihres Vaters von ihrer Stiefmutter in das berühmte Kloster Engelthal gebracht. Hier soll sie den Rest ihres Lebens verbringen. Jahre später hat Benedicta ihre Gelübde abgelegt, doch wohl fühlt sie sich im Kloster nicht. Sie kann nicht glauben, dass ihr Vater ein solches Leben für sie vorgesehen hat. Freude empfindet sie nur, wenn sie Zeit in der Küche bei ihrer Freundin Agnes verbringen kann. Doch das sieht Priorin Leonore gar nicht gerne und bestraft sie mit stundenlangem beten. Heimliche Zuneigung empfindet Benedicta für den Fechtmeister Julian von Ehrenreit, den Neffen der Priorin. Doch als Braut Christi darf sie ihren Gefühlen nicht nachgeben. Als nun die Fastenzeit ansteht und im Mönchskloster, das üblicherweise die Fastenspeise zubereitet, alle Bäcker erkranken, erhält das Kloster Engelthal die Aufgabe, die Lebkuchen herzustellen. Doch es gibt kein Rezept und die von einer Schwester gebackenen Lebkuchen sind ungenießbar. Benedicta sieht ihre große Chance gekommen und bäckt heimlich mit Agnes schmackhafte Lebkuchen nach einem eigenen Rezept. Doch dies ist der Auftakt zu einer Reihe von Katastrophen und als schließlich auch noch Benedicta und Julian der Unzucht bezichtigt werden, muss Benedicta aus dem Kloster fliehen ...

"Die Lebküchnerin" widmet sich mit einer fiktiven Geschichte der Entstehung der berühmten Nürnberger Lebkuchen. Benedicta und Agnes erfinden aus der Not heraus keine anderen Zutaten verwenden zu können und durch ausprobieren und Zufälle ein schmackhaftes Lebkuchenrezept, wie es sich auch durchaus ähnlich in echt zugetragen haben könnte.
Dieser Grundgedanke hat mir gut gefallen. Die persönliche Geschichte von Benedicta hat eher einen Märchencharakter, mit einer bösen Schwiegermutter, den verfolgten Liebenden und den Mordfällen in Nürnberg. Dies mag sich aus heutiger Zeit alles sehr unglaubwürdig und übertrieben anhören, jedoch darf man nicht vergessen, dass auch Märchen oft auf wahren Geschichten beruhten, die von Generation zu Generation weiter erzählt wurden. Es ist also schon möglich, dass sich im Mittelalter Teile der Geschichte tatsächlich so abgespielt hätten. Wenngleich ich jedoch nicht glauben kann, dass gut erzogene Mädchen sich so vorlaut verhalten hätten wie Benedicta, ständig Widerworte gaben und dabei keinerlei Konsequenzen zu spüren bekommen hätten.
Nicht so gut gefallen, hat mir die Liebesgeschichte. Benedictas plötzliche Verliebtheit in einen Menschen, den sie überhaupt nicht kennt, obwohl sie doch vorher noch voller Liebe für einen anderen war, konnte ich nicht so ganz nachvollziehen. Überhaupt wurde mir die Figur ihres neuen Schwarms nicht so richtig vertraut und seine Handlungen wirkten auf mich teilweise undurchsichtig. Ebenso ging es mir auch mit einigen Nebenfiguren, wie zum Beispiel Benedictas Stiefbruder Conrat. Insgesamt gesehen hat mir die erste Hälfte des Buchs deutlich besser gefallen, als der folgende Teil. Die Handlung im Kloster und rund um die Entwicklung der Lebkuchen, die Flucht nach Nürnberg und Agnes und Benedictas neues Leben im Bäckerhaushalt hat mich mehr interessiert als das spätere Durcheinander. Ein Toter folgte da nur noch auf den anderen und Benedicta wurde von einem Ort an den anderen verschleppt, das wirkte planlos und unnötig.
Unabhängig davon, hat mir jedoch der Erzählstil von Sybille Schrödter gut gefallen und das Buch war ein netter Zeitvertreib.


Und hier kann man das Buch kaufen: Sybille Schrödter: Die Lebküchnerin

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen