Mittwoch, 28. November 2012

Jandy Nelson: Über mir der Himmel

Bewertung: *****

Lennon Walker, genannt Lennie, war 17 Jahre lang das, was ihr am besten gefiel - eine kleine Schwester. Ihre große Schwester Bailey war der Mittelpunkt ihres Daseins, ihre Zuflucht und ihre Familie. Doch von einem auf den anderen Tag ist Bailey nicht mehr da. Tot. Unwiederbringlich. Und das Beistellpony Lennie ist ohne ihr Rennpferd. Doch als wäre das nicht schlimm genug, erwischt Lennie auch noch die erste große Liebe mit voller Kraft. Doch darf sie jetzt glücklich sein, ohne Bailey, die dieses Glück mit ihr teilt?

"Über mir der Himmel" ist der Titel dieses tollen Jugendbuchs von Jandy Nelson und der Himmel ist auch das was Lennie am liebsten betrachtet. Ihr Schwester Bailey war für sie die Sonne um die sie kreiste. Nie wäre es Lennie in den Sinn gekommen, dass sie und Bailey gleichrangig sein könnten. Bailey war das siegreiche Rennpferd und Lennie ihr gutmütiges Beistellpony. Lennie genoss es, sich hinter Bailey im Hintergrund zu halten und sie war ihre Rechtfertigung, warum sie selber nicht ins Rampenlicht treten muss.
Doch nun ist Bailey tot. Lennie weiß nicht wohin mit ihrer Trauer. Als Ventil schreibt sie Gedichte und verteilt diese in der ganzen Stadt. Diese Spuren von Lennie sind ein Teil dessen, was "Über mir der Himmel" zu etwas besonderem macht. Fast jedes der 38 Kapitel wird eingeleitet von einem wie eingeklebt wirkenden Gedicht, mal auf einem Pappbecher geschrieben, mal auf einem Bonbonpapier oder einer Buchseite. Mit Angaben versehen, worauf dieses Gedicht geschrieben ist und wo es gefunden wurde setzen sich so nach und nach Lennies Seelenleben und ihre Empfindungen zusammen.
Geschildert aus Lennies Perspektive nimmt der Leser direkten Anteil an ihrer Trauer, aber auch an ihrem Weg zurück ins Leben.
Doch "Über mir der Himmel" ist nicht nur eine Geschichte von Verlust, sondern auch die der ersten großen Liebe und der Suche nach sich selbst. Natürlich fehlt es auch nicht an ausreichend Schmachtobjekten und so begleitet der Leser Lennie dabei, herauszufinden was und wer ihr wichtig sind.
Der Autorin Jandy Nelson gelingt es hier sehr gut, die Anteile so zu vermischen, dass eine perfekte Symbiose entsteht und die Geschichte ausgewogen erscheint. Die Sprache wirkt dabei sehr erfrischend und passend. Ich habe mich beim Lesen sehr gut in Lennie hineinversetzen können und mit ihr gehofft, getrauert und in die Zukunft geblickt. Ein Lichtblick war dabei ihre verrückte Familie, allen voran die exzentrische Grama.
Wer ein paar Stunden seiner Zeit in "Über mir der Himmel" investiert, wird dieses Buch mit einer neuen Freundin verlassen. Denn Lennie und ihre Gedichte begleiten den Leser sicherlich auch nach dem Beenden des Buchs eine Weile.
Dies ist ein Buch für all die Romantiker ab ca. 13 Jahren unter uns, die an echte Freundschaft und Liebe glauben.


Und hier kann man das Buch kaufen: Jandy Nelson: Über mir der Himmel

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