Bewertung: *****
"Frucht der Sünde" ist der erste Band der Reihe rund um die Pfarramtsvertreterin Merrily Watkins des englischen Autors Phil Rickman. Nachdem die Reihe schon seit einigen Jahren überaus erfolgreich in England verlegt wird, können wir uns nun ebenfalls mit Merrily bekannt machen.
Als eine der ersten Frauen, wird Merrily Watkins in der Church of England ordiniert. Nach einigen Jahren in städtischen Pfarreien erhält Merrily nun das Angebot, als Pfarramtsvertreterin im beschaulichen Örtchen Ledwardine tätig zu sein. Gemeinsam mit ihrer 15jährigen Tochter Jane zieht sie in das Dorf und sieht sich schon bald mit den Prototypen aller möglichen Dorfbewohner konfrontiert. Vom ehemaligen Gutsbesitzer, über die exzentrische Ladenbesitzerin, bis zum Zugezogenen aus der Stadt der Anonymität sucht, ist hier alles vertreten.
Das unheimliche Pfarrhaus in direkter Nachbarschaft zum Friedhof und einem alten Apfelgarten, trägt nicht unbedingt dazu bei, dass sich Merrily und ihre Tochter schnell heimisch fühlen. Als die Dorfgemeinschaft zur Förderung des Tourismus nun ein Festival plant, dass neben Aufführungen und der Belebung alter Traditionen auch die Herstellung eines Cider vorsieht, bekommt auch der Apfelgarten wieder neue Bedeutung. Wieso steht ein Pfarrhaus inmitten eines Apfelgartens, wo doch der Apfel als "Frucht der Sünde" bekannt ist? Der Cider als "Engelswein" verwirrt so manchen Kopf und als nun auch noch ein junges Mädchen im Apfelgarten verschwindet und ein Schauspieler ein für den Ort kompromittierendes Stück aufführen will, ist das Chaos perfekt. Nun muss Merrily beweisen, wie gut sie Ledwardine und seine Bewohner inzwischen kennen gelernt hat.
Da es sich bei "Frucht der Sünde" um den ersten Teil einer Reihe handelt, ist dies insbesondere die Gelegenheit sich mit Merrily Watkins und ihrer Geschichte bekannt zu machen. Der eigentliche Kriminalfall steht daher hier (noch) nicht im Vordergrund. Merrily ist nicht gerade die typische Pfarramtsvertreterin, sie raucht, ist allein erziehend und in ihren Ansichten schon mal etwas unkonventionell. Doch ihre weibliche Sicht der Dinge ist ihr in ihrem Beruf durchaus hilfreich, nachdem die Kirche jahrhunderte lang von Männern dominiert wurde. Ihre besondere Empfindsamkeit für die Vorgänge der Vergangenheit und die Spiritualität ihrer Umgebung stellen sie jedoch auch vor eine Bewährungsprobe. Ihre Tochter Jane, die mitten in der Pubertät steckt, ist hier noch eine zusätzliche Herausforderung. Merrily stellt sich der Tatsache, dass manchmal nicht alles durch den Verstand erklärt werden kann und macht sich mit ihrer Art sowohl im Dorf als auch im Bistum nicht nur Freunde. Der Schreibstil von Phil Rickman ist dabei sehr unauffällig und konzentriert sich ganz auf die Hauptfigur. Ein wirklicher Spannungsbogen lässt sich leider nicht erkennen, doch ich fand auch die Ereignisse im Dorf und in Merrilys Leben sehr interessant. Leider ist das Ende jedoch sehr abrupt und daher ein wenig enttäuschend. Wie es weiter geht mit Merrily Watkins, erfährt man in "Mittwinternacht", dem zweiten Band der Reihe.
Und hier kann man das Buch kaufen: Phil Rickman: Frucht der Sünde

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