Freitag, 30. November 2012

Sven Böttcher: Prophezeiung


Die junge Klimaforscherin Mavie Heller erhält über ihren Mentor Professor Eisele die Möglichkeit am streng geheimen IICO auf La Palma mitzuwirken. Das Klimaforschungsinstitut sammelt Daten aus der ganzen Welt und begeht neue Wege in der Beeinflussung des Wetters. So ist es auch kein Wunder, dass sich hier eine sehr elitäre Gruppe von Forschern versammelt hat, die so manches Projekt entwickeln, von dem die Außenwelt nichts ahnt. Als sich Mavie unerlaubterweise genauer eines der Programme mit Namen "Prometheus" ansieht, entdeckt sie, dass hier Prognosen erstellt werden, die erstaunlich zutreffend sind, was die Daten der Vergangenheit betrifft. Doch mit Erschrecken muss sie feststellen, dass Prometheus eine Klimakatastrophe ungeahnten Ausmaßes vorhersagt. Die Todesopfer gehen in die hunderte von Millionen, die Folgen sind unabsehbar. Doch als sie ihren Mentor und die Institutsleitung darauf anspricht, wird die Prognosegenauigkeit abgestritten. Mavie muss La Palma verlassen. Doch sie geht nicht, ohne die Prognosedaten mit heraus zu schmuggeln. Die Menschheit soll erfahren was ihr bevorsteht und dafür braucht Mavie mächtige Verbündete ...

"Prophezeiung" regt zum Nachdenken an. Sven Böttcher hat hier einen fiktiven Öko-Thriller geschaffen, der jedoch genug Nähe zur Realität aufweist, um an unseren Ängsten zu rütteln. Angelegt in der nahen Zukunft, wird direkt Bezug genommen auf Klimakatastrophen unserer Gegenwart, wie das Erdbeben auf Haiti, schwere Überschwemmungen und die ungewöhnlich harten Winter der letzten Jahre. Sind dies die ersten Vorzeichen einer nahenden großen Katastrophe?
Sven Böttcher spielt mit den Ängsten seiner Leser, verleiht ihnen durch wissenschaftliche Fakten und Fachausdrücke noch mehr Authentizität und bildet so ein sehr intensives Kopfkino. Die Szenerie des Autors erscheint real und wahrscheinlich und entspricht dem, was Schwarzseher schon lange befürchten. Ob es nun wirklich schon innerhalb der nächsten Jahre eine "CO2-Konto" für jeden Bürger geben wird ist fraglich, doch durchaus eine mögliche Zukunftsentwicklung.
Interessant ist auch der strukturelle Aufbau des Romans. Sven Böttcher hat für die unterschiedlichen Abschnitte Überschriften gewählt, die die sich zuspitzende dramatische Situation unterstreichen. Von Prometheus (der Vorausdenkende) zu Kassandra (deren Vorraussagen kein Gehör finden) und Pandora (die die Plagen in die Welt entlässt) bis zu Styx (der Fluss der Unterwelt) verkörpern hier die Sinnbilder die aktuelle Lage.
Sven Böttchers Figuren empfand ich als sehr stereotyp. Angefangen mit der perfekten, gut aussehenden, intelligenten Mavie, zum selfmade Millionär Phillip und seinen Extravaganzen, der selbstlosen und verbissenen Journalistin Helen, bis hin zum zurückgezogen lebenden Nobelpreisträger. Hier ist nahezu alles vertreten und konnte mich doch nicht vollends überzeugen.
Ebenfalls nicht ganz überzeugen konnte mich die Handlung im letzten Drittel von "Prophezeiung". Hier überschlagen sich die Ereignisse und die Handlungen der Figuren wirken konstruierter. Dennoch blieb die Spannung erhalten bis zum großen Finale.
Empfehlen kann ich dieses Buch an alle, die gerne Wissenschafts- oder Öko-Thriller lesen, jedoch auch damit zurecht kommen, dass hier eine gehörige Portion Fiktion dabei ist.


So habe ich bewertet:




Und hier kann man das Buch kaufen: Sven Böttcher: Prophezeiung

Leah Cohn: Der Kuss des Morgenlichts

Bewertung: *****

Direkt vorweg möchte ich sagen, dass der Klappentext zu "Der Kuss des Morgenlichts" meiner Meinung nach bereits zuviel verrät.
Die junge Musikstudentin Sophie lernt in Salzburg den charismatischen Cellisten Nathanael Grigori kennen und ist sofort von ihm fasziniert. Anfangs ist an eine Beziehung der beiden nicht zu denken, ist doch Nathanael viel zu unnahbar und Sophie zu schüchtern. Doch über gemeinsames musizieren kommen sich die beiden näher und Sophie versucht mehr über Nathan in Erfahrung zu bringen. Doch vieles bleibt im Dunkeln und nach einer gemeinsam verbrachten Nacht und der Entdeckung, dass Sophie schwanger ist, verschwindet Nathan aus Salzburg. Zurück bleibt eine verzweifelte Sophie, die nur einen unpersönlichen Brief von ihrem Geliebten in den Händen hält. Doch Sophie steht nicht alleine da, ihre Mitbewohnerin Nele ist auch in dieser Zeit für sie da.


Der Reiz an "Der Kuss des Morgenlichts" liegt darin, dass der Leser (sofern er nicht den Klappentext gelesen hat) zunächst nicht genau weiß, wohin ihn die Geschichte führen wird. Mich haben die Ereignisse daher überrascht und so auch zu Anfang die Spannung aufrecht erhalten.
Entschieden hatte ich mich hier für das Hörbuch, das von den beiden wirklich phantastischen Sprechern Anna Thalbach und Andreas Fröhlich eingelesen wird. Die beiden können hier auf ganzer Linie überzeugen und insbesondere Anna Thalbach versteht es glänzend die unterschiedlichen Figuren zu verkörpern.
Leider konnten mich die Figuren selber jedoch nicht so sehr überzeugen. Sophie fehlt es an Charakterstärke und die Liebesgeschichte wirkt recht farblos. Auch die Hintergründe zum Fantasyelement fand ich zu wenig ausgearbeitet um sich allen Fragen zu stellen.
Zwar gibt es auch einige Kampfszenen, doch diese führten bei mir leider nicht zum Erhalt der Spannung, sondern langweilten mich eher.
"Der Kuss des Morgenlichts" (den Titel finde ich ebenfalls nicht passend) konnte mich daher nicht als neuen Fan gewinnen, auch wenn der Anfang durchaus vielversprechend war. Ich werde daher wohl auch nicht zum Nachfolger "Der Fluch der Abendröte" greifen.


Und hier kann man das Hörbuch kaufen:  Leah Cohn: Der Kuss des Morgenlichts

Elisabeth Herrmann: Zeugin der Toten

Bewertung: *****

"Zeugin der Toten" von Elisabeth Herrmann ist kein Thriller im klassischen Sinne. Es gibt keinen durchgedrehten Serienkiller, kein Ermittlerduo, keine Profiler oder sonst welche der typischen Zutaten.
Im Mittelpunkt der Ereignisse steht stattdessen eine junge Frau, die für ein Reinigungsunternehmen arbeitet. Ein Putzjob wie viele andere, nur das Judith Kepler noch eine Zusatzausbildung gemacht hat, die sie befähigt besonders gut Blutflecken und ähnliches entfernen zu können, weshalb sie häufig als sogenannte "Cleanerin" eingesetzt wird. Sie ist diejenigen die kommt, nachdem der Leichnam einer in Wohnräumen verstorbenen Person abtransportiert ist, und nun die Wohnung für den nächsten Mieter herrichtet. Judith entspricht jedoch auch sonst nicht ganz dem typischen Schema einer Romanheldin. Nach einer Kindheit in einem Kinderheim der DDR ist sie auf die schiefe Bahn geraten, kennt Gefängnisse nicht nur aus dem Fernsehen und hat Drogen konsumiert. Als Judith jedoch an einem der "Tatorte" die sie säubern soll Unterlagen entdeckt, die auf sie selber hindeuten und ihre Vergangenheit im Kinderheim, fängt sie an auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen. Doch es ist nicht ungefährlich, in dunklen Episoden der DDR Geschichte herumzuwühlen und das muss auch Judith bald feststellen ...


"Zeugin der Toten" beschäftigt sich mit dem Thema Stasi und Spionage zu Zeiten des kalten Krieges.
Elisabeth Herrmann hat hier Figuren geschaffen, die nicht wirkliche Sympathieträger sind, jedoch mit ihren Ecken und Kanten überzeugen können. Im Vordergrund steht Judith Kepler, die sich nicht nur mit ihrer verkorksten Vergangenheit auseinandersetzen muss, sondern auch noch damit ob es denn überhaupt stimmt was sie zu glauben meinte. Unterstützung bekommt sie von einem in Missgunst geratenen ehemaligen BND-Agenten.
"Zeugin der Toten" zeigt jedoch auch für alle die es nicht miterlebt haben, was kalter Krieg wirklich bedeutet. Konkurrierende Spionagedienste sind da nur ein Aspekt der hier nur allzu deutlich wird. Man mag sich gar nicht ausmalen, was vielleicht alles nicht an die Öffentlichkeit geraten ist und welche anderen Schicksale von Republikflüchtlingen es gegeben haben mag.
Überzeugen konnte mich dieses Buch mit seinem tollen Ansatz, den Ideen die hier eingebracht werden und die für mich neu im Krimigenre sind. Einen Stern Abzug gibt es jedoch von mir für die sich überschlagenden Handlungsstränge ab der zweiten Buchhälfte und den ebenfalls abnehmenden Realismus zum Ende hin. Dennoch ist "Zeugin der Toten" ein empfehlenswerter Krimi für alle Leser, die sich gerne mit deutsch-deutscher Geschichte auseinandersetzen.






Und hier kann man das Buch kaufen:  Elisabeth Herrmann: Zeugin der Toten

Charlotte Lyne: Glencoe

Bewertung: *****

"Glencoe" von Charlotte Lyne spielt wie der Name schon verrät in Schottland.
Sandy Og ist der jüngere Sohn des McIan von Glencoe und im Jahr 1689 auf Brautschau. Er erwählt Sarah von Glenlyon, die er in einer Nacht und Nebel Aktion nach Glencoe mitnimmt. Doch die Ehe ist nicht mit Glück gesegnet. Unter großen Problemen bringt Sarah einen Sohn mit einem verkrüppelten Bein zur Welt. Dies ist für den Clan das äußere Zeichen, wie wenig Sarah zu ihnen gehört. Duncan wächst trotz seines Handicaps zu einem aufgeweckten Jungen heran, doch dem Clan stehen schwere Zeiten bevor. Vor dem Hintergrund der königlichen Machtkämpfe muss auch Glencoe und die MacDonalds Partei ergreifen und in den Kampf ziehen. Sandy Og fällt eine Rolle zu, die er sich nie gewünscht hat und auch Sarah steht vor neuen Herausforderungen ...


Schottland übt auf mich eine ganz besondere Faszination aus, auch wenn ich das Land selber bisher noch nicht besuchen konnte. Ich lese daher sehr gerne Bücher, die sich mit der Historie Schottlands befassen. Natürlich kommt man dann auch nicht am Massaker von Glencoe vorbei, dem sich Charlotte Lyne hier widmet.
Mit Sandy Og und Sarah hat die Autorin hier Hauptfiguren geschaffen, die keineswegs perfekt sind, sondern ganz besondere Bürden zu tragen haben. Überzeugt haben mich jedoch insbesondere die Nebenfiguren, die sehr gut gezeichnet sind und die herrschenden Konflikte nicht nur erahnen lassen, sondern verkörpern.
Unterbrochen werden die Erzählungen rund um die Bewohner von Glencoe durch die Ereignisse am Königshof und den Machtkampf zwischen Mary mit ihrem Mann William von Oranien und ihrem Konkurrenten Jacob. Diese Episoden fand ich zu Anfang sehr interessant, da sie auch sehr gut wieder spiegelten um was für eine schwierige und weltfremde Person es sich bei Mary handelt. Im späteren Verlauf haben mich diese Abschnitte jedoch eher ein wenig gelangweilt, auch wenn sie natürlich einen wichtigen Teil der Geschichte einnehmen. Viel lieber wollte ich jedoch erfahren, wie es denn mit Sarah, Sandy Og und ihrem Clan weitergeht und in dieser Hinsicht haben die Berichte aus dem Herrscherhaus den Lesefluss nur gebremst.
Insgesamt gesehen bietet Charlotte Lynes "Glencoe" sehr viel mehr historischen Informationsgehalt als z.B. die Bücher von Diana Gabaldon. Doch gerade was die Geschichte rund um Glencoe angeht, hat mir doch Jennifer Robersons "Herrin der Täler" noch ein wenig besser gefallen, wenn auch eher die Figuren betreffend.
Empfehlen kann ich dieses Buch an alle, die sich für die Geschichte von Schottland und insbesondere das Massaker von Glencoe interessieren. 



 Und hier kann man das Buch kaufen: Charlotte Lyne: Glencoe

Holly Black: Weißer Fluch

Bewertung: *****

Cassel ist 17 Jahre alt und eine echte Ausnahme in seiner Familie, in der alle Fluchwerker sind. Cassel kann zwar mit Schlagfertigkeit und einem Talent zur Täuschung überzeugen, doch seine Mutter, sein Großvater und seine Brüder haben da ganz andere Fähigkeiten. Mit Todesflüchen, der Beeinflussung von Emotionen und der Herbeiführung von Glück oder Unglück "bearbeiten“ sie ihre Mitmenschen, obwohl dies seit den Zeiten der Prohibition ebenfalls illegal ist. Doch Cassel verbirgt noch eine dunkle Seite vor seinen Mitschülern, die Erinnerung daran, wie er seine beste Freundin Lila ermordet hat. Und dann ist da auch noch das Problem mit der weißen Katze die ihm ständig über den Weg läuft und seinen Anfällen von Schlafwandeln. Hat jemand Cassel verflucht, oder steckt etwas anderes dahinter?

Mit "Weißer Fluch" liegt hier das neue Buch der "Spiderwick" Autorin Holly Black vor, das der Auftakt zu einer Trilogie ist. Für alle, die ein wenig Bedenken haben nun schon wieder eine Trilogie zu beginnen sei gesagt, dass dieses Buch weitestgehend in sich abgeschlossen ist.
Mit Cassel hat die Autorin hier einen sympathischen Helden erschaffen, der die Leser mitnimmt in seine Welt, die bis auf die Fluchwerker ein Abbild unserer eigenen Epoche ist. Der größte Wunsch des Jungen ist es, in seine Familie zu passen, was nicht gerade leicht ist, wenn man als einziger anscheinend kein Talent zum Flüche bewirken hat. Der Gedanke anders zu sein, nicht dazuzugehören und mit anderen Talenten überzeugen zu müssen ist etwas, das jugendlichen Lesern nicht fremd sein wird, auch wenn es dabei normalerweise nicht um Magie geht. Cassel ist daher ein sehr facettenreicher Charakter, während mir leider einige andere Figuren und ihre Beweggründe ein wenig fremd blieben.
Zwar ist dem Leser recht schnell klar, dass hier einiges anders sein muss, als es zu Anfang scheint und erste Vermutungen gehen sicherlich auch in die richtige Richtung, doch dennoch vermag Holly Black noch zu überraschen mit der Wendung die sie der Geschichte gibt.
Beginnt die Geschichte jedoch zunächst noch mit einem gemächlichen Tempo, so scheinen sich die Ereignisse in den letzten Kapiteln geradezu zu überschlagen und die Klarheit wird teilweise der Zweckmäßigkeit geopfert. Hat man sich erst mal wieder gedanklich sortiert, so kann jedoch auch dieses Buch wieder beruhigt aufs Ende zusteuern.
Nicht klar ist mir, warum das Buch den deutschen Titel "Weißer Fluch" erhalten hat, wo es doch im Original "Die Fluchwerker: Weiße Katze" (frei übersetzt) heißt. So kann man nur Vermutungen anstellen, wie wohl der zweite Band der Reihe, der im englischen "Die Fluchwerker: Roter Handschuh" (frei übersetzt) heißen wird, hier benannt wird.
Überzeugen kann "Weißer Fluch" als All-Age-Fantasy, an der auch erwachsene Leser Gefallen finden können. Empfehlen kann ich dieses Buch daher allen an phantastischen Geschichten interessierten Lesern, aufgrund einiger doch recht blutiger Szenen jedoch erst ab einem Alter von ca. 13-14 Jahren.



 Und hier kann man das Buch kaufen: Holly Black: Weißer Fluch

Alex Capus: Léon und Louise


Es ist 1918, als der 17-jährige Leon im Kriegsdienst die gleichaltrige Louise kennenlernt. Leon ist von Anfang an von diesem temperamentvollen Mädchen fasziniert, doch Louise gibt sich zunächst unnahbar. Nach viele Gesprächen und einem gemeinsamen Ausflug ans Meer ist jedoch klar: diese beiden gehören zueinander. Doch der Krieg meint es nicht gut mit ihnen. Sie werden bei einem Bombenangriff verletzt, verlieren sich aus den Augen und meinen schließlich, dass der jeweils andere tot ist.
Leon heiratet einige Jahre später Yvonne und er ist bereits Vater eines Sohnes, als ihm schließlich 1928 zufällig Louise in Paris wieder begegnet.
Louise hat sich nicht für eine Familie entschieden, sondern führt ein sehr eigenständiges Leben als Bürokraft bei der französischen Nationalbank.
Leon hat Verantwortung für Frau und Kind, eine Scheidung kommt für ihn nicht in Frage und so ist für Leons und Louises Liebe auch keine Lösung in Sicht …


Im Grunde genommen beginnt "Leon und Louise" mit dem Ende der Geschichte. Die Familie kommt auf Leons Beerdigung zusammen und eine geheimnisvolle Frau kommt in die Kirche, die namentlich nicht benannt wird, aber für Raunen sorgt.
Von dieser Situation ausgehend erzählt Leons Enkel die Geschichte seines Großvaters und die der Frau die seine große Liebe war.
Es wird schnell klar, dass Leon eine Figur ist, der moralische Grundsätze und Verantwortung über das persönliche Glück gehen. Durch zwei Weltkriege hindurch begleitet ihn der Leser, erfährt von seinen stillen Rebellionen und seiner Fürsorge der Familie gegenüber. Louise jedoch blieb mir über weite Strecken hinweg fremd, was zum größten Teil daran liegt, dass man selten persönliches von ihr erfährt, außer aus den Briefen die sie an Leon im zweiten Weltkrieg schrieb und die Leons Enkel gefunden hat.
Es ist eine Geschichte, die von Verzicht und Verantwortung erzählt, in einer Welt die doch eigentlich von Egoismus geprägt ist und so ist es auch gerade das unauffällige, das dieses Buch besonders macht.
Dennoch war mir "Leon und Louise" streckenweise zu langatmig und gerne hätte ich erfahren, was diese Figuren denn wirklich denken mögen und nicht nur was sie nach außen hin repräsentieren. So erfährt der Leser auch nur wenig darüber, wie Leons Frau und Kinder mit der Situation umgehen. Auch führt die Geschichte nicht ganz bis an die Zeitepoche heran, in der der Prolog spielt. Es ist daher nicht klar, was noch in der Zwischenzeit geschehen ist und warum Louises Erscheinen bei der Beerdigung für solches Aufsehen sorgt. Hier hätte ich mir gerne mehr Klarheit gewünscht.
Insgesamt gesehen haben mir aber der Schreibstil und die Erzählweise von Autor Alex Capus gut gefallen und ich kann mir durchaus vorstellen noch weitere Bücher von ihm zu lesen.


So habe ich bewertet:




Und hier kann man das Buch kaufen:  Alex Capus: Léon und Louise

Eoin Colfer: Artemis Fowl - Das Zeitparadox

Bewertung: *****

Ich möchte hier gar nicht so sehr auf den Inhalt von "Artemis Fowl - Das Zeitparadox" eingeben. Die Geschichte hat mir gut gefallen und für sie alleine würde es auch einen Stern mehr geben.
Ich habe bisher alle erschienenen Bücher der Reihe gelesen und auch dieses Buch war mir bereits bekannt. Da nun bald der neue Band erscheint ("Der Atlantis-Komplex"), wollte ich zur Gedächtnisauffrischung das Hörbuch des sechsten Teils hören.
Sprecher ist hier Rufus Beck, der wohl auch schon die anderen Bände der Reihe eingelesen hat. Er macht seine Aufgabe sehr gut, wobei ich aber sagen muss, dass sich einige der Figuren in meinem eigenen Kopfkino ganz anders anhörten. Eine meiner Lieblingsfiguren, Mulch Diggums, hörte sich bei mir jedenfalls nie nach einem debilen Bayern an, wie es Rufus Beck hier interpretiert hat.
Überhaupt nicht gefallen hat mir allerdings, dass einige Szenen, die ich mit als die besten aus dem Buch in Erinnerung hatte, hier überhaupt nicht auftauchen! Ich habe nichts dagegen, wenn Hörbücher etwas gestrafft werden und gerade lange Beschreibungen gekürzt wieder gegeben werden. Doch ganze Abschnitte wegzulassen, die auch noch humoristische Anteile enthalten, das kann ich nicht befürworten.
Daher leider nur drei Sterne für das Hörbuch von "Artemis Fowl - Das Zeitparadox".






Und hier kann man das Hörbuch kaufen: Eoin Colfer: Artemis Fowl - Das Zeitparadox

Malinda Lo: Ash

Bewertung: *****

"Ash" ist eine Neuerzählung des Märchens vom "Aschenputtel". Viele bekannte Elemente tauchen auf, so auch die böse Stiefmutter, die beiden Stiefschwestern, der Ball und der Prinz. Letzterer allerdings nicht in der Form, wie die meisten Leser es erwarten werden.
In Ash’s Welt, die mit vollem Namen Aislin heißt, gibt es jedoch auch noch die Feen, die von vielen geachtet oder gefürchtet werden, jedoch einen immer unwichtigeren Platz im Leben der meisten Menschen wahrnehmen. Für Ash ist die magische Welt Realität, entdeckt sie doch, dass auch ihre verstorbene Mutter Elinor Feen begegnet ist. Der geheimnisvolle Feenmann scheint immer dann aufzutauchen, wenn Ash jemanden braucht und so ist er in gewisser Weise ihre "gute Fee" in diesem Märchen. Doch Ash muss auch erkennen, dass es nichts ohne Gegenleistung gibt und so gerät sie immer weiter in eine Welt, in die sie eigentlich nicht gehört. Trost und Zuneigung findet sie auch bei Kaisa, der Jägerin des Königs. Sie beweist Ash, dass auch Frauen wichtige Positionen einnehmen können. Doch wohin gehört Ash wirklich? An die Seite des Prinzen, ins Reich der Feen oder doch in ein ganz anderes Leben?


"Ash" ist anders als ich erwartet habe. Keine Andeutung in der Inhaltsangabe hat mich darauf vorbereitet, in welche Richtung dieses Buch wirklich geht, dabei hätte ich das eigentlich auch nur zum Vorteil der Geschichte empfunden.
So verpasst "Ash" leider die Chance gezielt Leser anzusprechen und geht stattdessen das Risiko ein, manche Leser auf dem falschen Fuß zu erwischen. Da es anscheinend so gewollt ist, werde ich mit meiner Rezension auch nicht weiter darauf eingehen.
Mir hat die Geschichte von Liebe und Magie jedenfalls sehr gut gefallen. Stellenweise kann man als Leser eintauchen in eine wundervolle Märchenwelt, in der man Ash in ihrer Entwicklung begleiten kann und nicht nur ein charakterloses Geschöpf vor sich hat.
Insgesamt gesehen war mir die Erzählung aber zu langatmig. Der Plot bringt im Grunde genommen nicht genug mit für ein ganzes Buch, auch wenn die Autorin noch so sehr versucht hat die Geschichte zu strecken. Das fand ich enttäuschend, weshalb ich leider insgesamt nur eine durchschnittliche Bewertung geben kann.
Empfehlen kann ich dieses Buch insbesondere an weltoffene junge Leserinnen ab ca. 12 Jahren, die hier die Romantik in der Geschichte entdecken können.


 Und hier kann man das Buch kaufen:  Malinda Lo: Ash

Kristin Falck: Die Hüter der Wolken

Bewertung: *****

"Die Hüter der Wolken" entführt den Leser in eine mystische Welt vor mittelalterlicher Kulisse. Im Königreich Jaduin hat sich vieles verändert, seit der König gestürzt wurde und seine Familie getötet. Die alte Macht der Steinkönige scheint verloren.
Im Mittelpunkt der Ereignisse steht die Fürstentochter Lärka, die gerne die Geheimnisse der Kräuterkunde erlernen würde, was jedoch nicht den Wünschen ihres Vaters entspricht. Er wünscht sich einen Ehemann für seine Tochter, der ein würdiger Nachfolger für ihn wird und so neue Verbündete bringt. So wird Lärka auf Verwandtenbesuch geschickt, doch wie sie weiß, soll sie auch hier ihren zukünftigen Ehemann kennenlernen. Auf ihrer Reise begleiten sie Arild und sein Onkel, die viel von Heilkunde verstehen. Langsam entdeckt Lärka was sie wirklich möchte und wie anders ihr Leben sein könnte. Doch kann sie wirklich einen selbstbestimmten Weg finden?


Die Welt, die Autorin Kristin Falck hier erschaffen hat und die Ideen die sie in die Geschichte eingewoben hat, fand ich sehr interessant. Es hat Freude gemacht "Die Hüter der Wolken" zu lesen und Lärka auf ihrem Weg zu begleiten. Die Abschnitte über Kräuterkunde und Magie haben mir gut gefallen und mit den Figuren konnte ich mich schnell anfreunden. Zwar hat die Geschichte nicht viele Überraschungen geboten, da sich doch vieles aus dem Kontext vermuten ließ, doch die schönen Details mit denen die Autorin die Ereignisse hier ausgeschmückt hat, machen es dennoch lesenwert. Es gab jedoch auch einige Abschnitte, die mich ein wenig gelangweilt haben und die meiner Meinung nach hätten gekürzt werden können. Dies ist es auch, was "Die Hüter der Wolken" bei mir den fünften Stern kostet.
Ich habe bereits die Fortsetzung "Der Eid des Steinkönigs" im Regal stehen und bin nun gespannt, wie es rund um Jaduin und mit Lärka weiter geht.





Und hier kann man das Buch kaufen:  Kristin Falck: Die Hüter der Wolken

Kate Quinn: Die Hure des Kaisers

Bewertung: *****

Das Leben im römischen Reich ist kein Zuckerschlecken, das muss auch die junge Thea erkennen, die aus ihrer Heimat Judäa als Sklavin nach Rom gebracht wurde. Mit ihrer neuen Herrin Lepida Pollia hat sie ebenfalls nicht das große Los gezogen, ist diese doch sehr egoistisch und herrisch. Doch für Thea gibt es einen neuen Lichtblick, als sie sich in den Gladiator Arius verliebt und diese Liebe erwidert wird. Eine Zeitlang scheint es das Schicksal gut mit den beiden zu meinen, doch Lepida Pollia vergisst es nie, wenn ihr nicht die volle Aufmerksamkeit gilt. Sie verkauft Thea an ein Bordell im Süden und alles scheint verloren. Doch Thea hat noch eines was sie retten kann: ihre außergewöhnliche Stimme.

Die Schilderung des Lebens im römischen Reich wirkte auf mich sehr authentisch. Brutale Kämpfe im Kolosseum, Sklavenhandel und Intrigen um die kaiserliche Nachfolge waren an der Tagesordnung und sind insofern korrekt, wenn auch sehr gehäuft geschildert.
Geschrieben ist die Geschichte aus ganz unterschiedlichen Perspektiven, die häufig wechseln. Jedoch ist jedes Kapitel mit dem Namen des jeweiligen Erzählers überschrieben, so dass hier keine Verwirrung auftritt. Sehr überzeugend werden hier die Gegensätze zwischen dem Leben einer Sklavin und dem der Tochter eines reichen Römers geschildert, was deutlich macht wie wertvoll es ist ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
Historische Fakten wurden von Kate Quinn passend mit schriftstellerischer Fiktion verwoben. Ein Schicksal wie das von Thea und Arius kann es viele in Rom gegeben haben, sie stehen stellvertretend für ganze Generationen von Sklaven und Gladiatoren. Kaiser Domitian ist eine historische Figur, auch wenn sich die Autorin hier viele künstlerische Freiheiten herausgenommen hat.
Sicherlich ist "Die Hure des Kaisers" manchmal auch erschreckend in seiner Brutalität, doch an dieser historischen Epoche interessierte Leser wird dies nicht überraschen.
Empfehlenswert ist dieser Roman daher auch für alle, die gerne einen Einblick in die dunkle Seite des römischen Reiches erhalten wollen und dazu nicht zu Sachliteratur greifen wollen. Auf die eine oder andere Weise versteht es Kate Quinns Buch auf jeden Fall zu unterhalten.


Und hier kann man das Buch kaufen:  Kate Quinn: Die Hure des Kaisers