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Montag, 24. November 2014

Hannah Richell: Das Jahr der Schatten


Als Lila unerwartet ein Grundstück an einem See mit einem alten Cottage erbt, fühlt sich sich dort zum ersten Mal seit dem Tod ihrer frühgeborenen Tochter wieder lebendig. Sie beschließt das Haus zu renovieren und so London, ihrem Ehemann Tom und den Erinnerungen an die letzten Monate für eine Weile den Rücken zuzukehren. Überall im Haus sind noch die Spuren früherer Bewohner zu spüren, doch Lila weiß weder wem das Haus gehörte, noch wer dort zuletzt gewohnt hat, aber es tauchen nach und nach einige Hinweise auf. Einst wurde das Haus von einer Gruppe junger Aussteiger besetzt, aber wie ist es von dort in Lilas Hände gelangt? Gibt es eine Verbindung von der sie nichts weiß?

"Das Jahr der Schatten" von Autorin Hannah Richell konnte mich genauso begeistern wie schon ihr erstes Buch "Das Geheimnis der Gezeiten".
Erzählt wird der neue Roman auf zwei sich abwechselnden Zeitebenen, wobei der eine Teil der Geschichte im Jahr 1980 spielt und aus der Perspektive von Kat erzählt wird die mit ihren Freunden ein Aussteigerleben in einem einsamen Cottage führt, während der zweite Teil in der Gegenwart spielt und von Lila erzählt wird die ebendieses Cottage geerbt hat. Man ahnt natürlich von Anfang an, dass es zwischen diesen beiden Erzählsträngen noch mehr Verbindungen als nur den Schauplatz geben muss, doch welcher Art diese Verbindung ist, bleibt bis zum Schluss ein Geheimnis.
Neben dem Geheimnis rund um die Erbschaft spielen jedoch insbesondere die verschiedenen Ebenen von Freundschaft und Liebe eine große Rolle, aber auch Hass, Tod und Verlust haben ihre Momente.
Im Mittelpunkt der Ereignisse stehen mit Kat und Lila zwei sehr unterschiedliche Frauen. Während Lila von Anfang an ein Sympathieträger ist und man mit ihr leidet, fällt Kat eher durch ihre verklärte Wahrnehmung auf und mit ihrer Abhängigkeit gegenüber dem Mann den sie liebt. Man möchte Kat daher gerne einmal durchschütteln und zur Vernunft bringen, doch sie ist das perfekte Beispiel für den Spruch "Liebe macht blind". Die Gruppe von Freunden die nach dem Studium ein Leben als Aussteiger und Selbstversorger ausprobieren möchte stellt jedoch schon ein Sozialexperiment für sich dar, denn die Dynamik in der Gruppe und die Entwicklung von Rollen und Abhängigkeiten ist schon sehr interessant zu lesen.
Bei Lila geht es dagegen ganz um Emotionen und dem Thema wie man mit einem großen Verlust umgehen kann und es schafft trotz allem sich nicht selber zu verlieren und wieder ins Leben zurückzufinden.
Beide Handlungsstränge sind sehr unterschiedlich, lesen sich aber gleich interessant. Oft geht es mir bei Romanen mit unterschiedlichen Erzählperspektiven so, das sich der einen Stimme viel lieber folge als der anderen, doch das kann ich hier nicht sagen.
Ich kann "Das Jahr der Schatten" daher uneingeschränkt an alle Leser empfehlen die diese Art von Geschichten mögen.

So habe ich bewertet:

Und hier kann man das Buch kaufen: Hannah Richell: Das Jahr der Schatten

Weitere Informationen zum Buch und zur Autorin finden sich auf der Homepage des Diana Verlages.

Samstag, 13. April 2013

Hannah Richell: Geheimnis der Gezeiten



Manche Geheimnisse sind so schrecklich, dass man sich nicht überwinden kann darüber zu sprechen. Sie sind wie ein dunkler Abgrund der zwischen den Mitgliedern der Familie Tide steht. Alles hängt zusammen mit einem Sommertag vor rund 10 Jahren, dem Tag an dem der 5jährige Alfie spurlos verschwand.
Für Dora, die jüngere Tochter der Familie hängt dieses Ereignis wie eine dunkle Wolke über ihrem Leben. Seit diesem Tag gab es keine echte Familie mehr und Dora fühlt sich schuldig am Unglück ihrer Familie. Als sie nun feststellt, dass sie schwanger ist, ist ihr klar, dass sie erst mit der Vergangenheit abschließen muss, bevor sie einen Neubeginn wagen kann. Ihr Weg führt sie zurück nach Clifftops, dem Haus ihrer Kindheit.

"Geheimnis der Gezeiten" von Autorin Hannah Richell ist ein Buch über Geheimnisse, Familie, Verlust, Angst und Vergebung. Es handelt davon, dass man zunächst sich selber vergeben muss, bevor man auch anderen vergeben kann und dass verzeihen der erste Weg zur Vergebung ist.
Erzählt wird die Geschichte auf zwei Zeitebenen. Zum einen erlebt der Leser Dora in der Gegenwart, als Frau von Mitte 20, erfolgreich im Beruf und in einer festen Beziehung. Doch die Nachricht ihrer Schwangerschaft wirft die junge Frau aus der Bahn. Die Erinnerungen an Ereignisse in der Vergangenheit, die sie nie vergessen konnte, brechen mit voller Wucht über sie herein.
Zum anderen ist da die Geschichte von Doras Familie, ihrer Mutter Helen und dem Haus Clifftops in Dorset, das den Mittelpunkt des Familienlebens darstellt. Von der Zeit an, als sich Doras Eltern kennenlernen, bis sich schließlich die beiden Zeitstränge in der Gegenwart vereinen, wird die Familiengeschichte Schritt für Schritt aufgearbeitet und schließlich auch die Geheimnisse der Familie aufgedeckt.
Die Hintergründe stellten für mich keine große Überraschung dar, allerdings empfand ich es bei "Geheimnis der Gezeiten" auch so, dass hier eher der Weg das Ziel ist.
Mir haben hier insbesondere die Figuren gefallen, die mit Ecken und Kanten versehen und deren Handlungen und Emotionen gut nachvollziehbar dargestellt sind.
Das Buch ist jedoch auch so geschrieben, dass es sich gut als Urlaubslektüre eignet, die zwar zum Nachdenken anregt, aber auch mit den Landschaftsbeschreibungen und familiären Bindungen gut ablenkt.
Schön ist hier auch das Nachwort, in dem die Autorin mit Fotos die Entstehung des Buches erläutert.
Ich kann "Geheimnis der Gezeiten" an alle Leser empfehlen, die komplexe Familiengeschichten mögen und vielleicht auch Bücher in der Art von Wally Lamb oder Lucy Clarke mochten.

So habe ich bewertet:


Und hier kann man das Buch kaufen: Hannah Richell: Geheimnis der Gezeiten

Weitere Informationen zum Buch und zur Autorin finden sich auf der Homepage des Diana Verlages. Hier gibt es auch eine Leseprobe.