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Samstag, 15. Dezember 2012

Lilach Mer: Winterkind


Niedersachsen, Winter 1880.
Blanka von Rapp hat alles was man sich nur wünschen kann: sie ist schön, hat einen aufmerksamen Ehemann, eine reizende kleine Tochter und lebt in einem repräsentativen Haus. Doch Blanka geht nicht vor die Tür, niemals. So kehren Ehemann und Tochter auch alleine von der Beerdigung von Blankas Mutter zurück. Mit dabei haben sie Blankas Erbe, einen großen Spiegel. Blanka wird gleichermaßen angezogen und abgestoßen von diesem Ungetüm und es bringt auch die Erinnerung mit an ferne Kindertage ...


"Winterkind" ist ein historischer Roman, der ganz hervorragend in die Winterzeit passt. Die Handlung spielt in einem Zeitrahmen von ca. einer Woche kurz vor Weihnachten. Herausgegeben wurde das Buch in der Reihe "Die grüne Fee" des Dryas Verlag und beschäftigt sich daher auch mit den Einflüssen des industriellen Wandels auf den Menschen im 19. Jahrhundert. Autorin Lilach Mer hat, wie sie im Nachwort erzählt, eigene familiäre Verbindungen zum Glashandwerk, weshalb hier auch Johann von Rapp eine Glashütte betreibt. So bietet sich hier die Gelegenheit einerseits das Leben der Herrschaft, andererseits jedoch auch der Arbeiter in der Glashütte näher zu beleuchten und die Standesunterschiede einander gegenüber zu stellen. Erzählperspektive ist jedoch auch die Gouvernante des Kindes, so dass noch zusätzlich Fräulein Sophie zu Wort kommt, die in ihrer Stellung weder zur Herrschaft, noch zur Dienerschaft gehört.
Ich habe die bildhafte Sprache der Autorin sehr genossen. Die Figuren sind alle sehr gut beschrieben und das Szenario wirkte auf mich filmreif, so deutlich ist es vor meinem Auge entstanden. Ich könnte mir auch gut eine Umsetzung als Theaterstück vorstellen.

Interessant fand ich auch die Hintergrundinformationen zu Mode und Erziehung, was vielleicht an Ort und Stelle sehr ausführlich wirkt, jedoch im Nachhinein auf jeden Fall für das Verständnis der Geschichte notwendig ist.
Lilach Mer schafft hier den Spagat zwischen den Genre. In erster Linie ist "Winterkind" für mich ein historischer Roman, doch es gibt auch Elemente eines Spannungsromans und natürlich auch ein wenig mysteriöses, wobei es aber kein Fantasyroman ist, wie vielleicht die Leser von Lilach Mers Erstlingswerk "Der siebte Schwan" annehmen werden. Auch einen Gesellschaftsroman könnte man dieses Werk hier nennen, denn es spiegelt im wortwörtlichen Sinne einen Teil der Gesellschaftsschichten und Konventionen gegen Ende des 19. Jahrhunderts wieder. In der Inhaltsangabe des Verlages wird auf das Märchen von Schneewittchen hingewiesen. Parallelen sind zu erkennen und passend in die Geschichte integriert. Es handelt sich jedoch nicht um eine klassische Variante oder auch nur eine märchenhafte Fortsetzung!
Einen kleinen Abzug gibt es bei mir jedoch in der Gesamtwertung, denn einige Fragen blieben bei mir offen. Dazu hätte ich auch gerne noch ein paar Folgekapitel gehabt, um noch mehr über die Familie zu erfahren. Was mir "Der siebte Schwan" zuviel an Seiten hatte, hat mir "Winterkind" zu wenig, aber vielleicht wird es ja irgendwann mal eine Fortsetzung rund um die Familie von Rapp geben. Ich wäre gerne dabei.
Empfehlen kann ich "Winterkind" an alle Leser, die gerne historische Romane mit Spannungselementen lesen.

So habe ich bewertet:


 Und hier kann man das Buch kaufen: Lilach Mer: Winterkind

Dienstag, 11. Dezember 2012

Lilach Mer: Der siebte Schwan


Die 14jährige Wilhelmina Ranzau, genannt Mina, wächst gut behütet zu Anfang des 20. Jahrhunderts auf dem Landgut ihrer Eltern auf. Ihre liebste Beschäftigung ist es, sich auf den Dachboden zu schleichen und dort zur Musik einer alten Spieluhr zu tanzen. Doch nun steht Minas Konfirmation bevor und damit der erste Schritt in die Welt der Erwachsenen. Ihre Träumereien muss sie ablegen und die Zeit des Spielens ist vorbei. Als Mina dann noch ein Familiengeheimnis entdeckt, kommt es jedoch anders als geplant …

Von „Der siebte Schwan“ hatte ich mir sehr viel mehr erhofft und bin nun schon etwas enttäuscht. Jedoch nicht nur von der Autorin und dem Buch weil sie mich nicht überzeugen konnten, sondern auch ein wenig von mir selber, weil ich nicht das nötige Durchhaltevermögen für dieses Buch hatte.
Die Grundidee hat mir gut gefallen und auch auf den ersten 50 Seiten war ich noch voll dabei. Dann wurde es jedoch immer schwieriger für mich. Die komplette Handlung lässt sich eigentlich in wenigen Sätzen zusammenfassen, doch für dieses Buch gilt „Der Weg ist das Ziel“. Es sind die liebevollen Beschreibungen und die bildhafte Sprache, die hier überzeugen sollten. Doch für mich wurde das alles zu langatmig. Meine Konzentration ging verloren, meine Gedanken schweiften immer häufiger ab beim Lesen und ab ca. der Hälfte der 560 Seiten fing ich an quer zu lesen.
Dabei fand ich die märchenhafte Stimmung, die ein wenig an den „Sommernachtstraum“ erinnerte doch sehr schön. Irrtümlich hatte ich jedoch geglaubt, dass sich die Geschichte noch mehr um das Thema aus dem bekannten Märchen „Die sieben Schwäne“  dreht. Das ist jedoch nur in ganz geringem Ansatz vorhanden.
Wer gerne träumt und sich von Mina in ihre Träume entführen lassen will und wem es nichts ausmacht, dass „Der siebte Schwan“ nicht mit einem ereignisreichen Plot aufwarten kann, dem kann ich das Buch von Lilach Mer empfehlen.
Inzwischen ist mit „Winterkind“ ein weiteres Buch der Autorin erschienen. Da dieses nur einen Bruchteil der Seitenzahlen vom Vorgänger hat, hoffe ich damit besser zurechtzukommen (obwohl ich eigentlich dicke Bücher liebe).

So habe ich bewertet:


Und hier kann man das Buch kaufen: Lilach Mer: Der siebte Schwan