Dienstag, 27. November 2012

Judith O’Reilly: Stadt, Land - Schluss

Bewertung: *****

 Judith lebt glücklich mit Ehemann und zwei Söhnen in London. Doch um ihrem Mann seinen Traum zu erfüllen, packt sie die Koffer und Kinder ein und zieht um nach Northumberland. Das dritte Kind ist unterwegs, das Haus viel zu klein für alle und das Landleben nicht wirklich das, was sich Judith wünscht.
Es ist Herbst 2005 und sie hat ihrem Mann versprochen am 31.12.2007 die Entscheidung zu treffen, ob sie für immer in Northumberland bleiben oder doch zurück nach London gehen.
Ihre Erlebnisse in dieser Zeit berichtet Judith in einem Blog …

„Stadt, Land – Schluss“ ist vor allem eins: langweilig.
Eigentlich handelt es nur von einem Thema. Judith will nicht in Northumberland leben.
Sie will es nicht im Herbst 2005 als der Umzug ansteht, nicht im Jahr darauf und wahrscheinlich auch jetzt noch nicht. Doch was tut man nicht alles für das Glück seiner Familie.
Eigentlich war „Stadt, Land – Schluss“ ein Internet-Blog, den Judith in ihrer Verzweiflung geführt hat. Sie nannte ihn „wifeinthenorth“, da es eigentlich auch nicht so war, dass es die komplette Familie in den Norden verschlagen hatte. Ihr Mann führte weiterhin sein Berufsleben in London, mit teilweise wochenlanger Abwesenheit, doch sie selber saß mit den Kindern oben im Norden fest.
Als Blog kann ich mir das Ganze auch richtig gut vorstellen. Judith berichtet von den Kleinigkeiten des Alltags, den Konfrontationen mit dem Landleben und der Schwierigkeit sich selbst zu verwirklichen, wenn man nebenbei noch Haushalt und drei Kinder hat. Ab und zu mal rein zu lesen was Judith und ihre Familie gerade so treiben, ist also gar nicht so uninteressant. Aber warum musste das jemand als Buch heraus bringen?
Dafür hätte es doch auch einfach der Internet-Blog getan.
Ich weiß nicht, ob inhaltlich große Abweichungen zum eigentlichen Blog vorgenommen wurden, doch vom Stil her ist auch das Buch wie ein Blog gehalten.
Teilweise sehr kurze Abschnitte, die mit einer Überschrift und dem Datum versehen sind. Manchmal schreibt Judith täglich, dann ist auch mal eine Woche ohne neuen Eintrag.
Was mich am Stil ein wenig gestört hat, ist der Versuch ohne Namen auszukommen. Keine Ahnung, ob das so ist, weil Judith keine Klage wegen Verleumdung riskieren wollte, oder ob ihr das einfach gefällt.
Die Söhne werden je nach aktuellem Alter immer mit „der sechsjährige“ oder „der vierjährige“ etc. benannt. Die Tochter ist immer das „Baby“ auch noch mit zwei Jahren. Die Erwachsenen werden mit einem Mutter-Zusatz einsortiert oder anhand der Tiere die sie züchten.
Aber am meisten gestört hat mich, dass hier einfach kein Ziel oder Ende in Sicht ist.
Normalerweise hat ein Roman eine klare Handlung und man hat zumindest den Eindruck, dass der Autor auf etwas Bestimmtes hinaus will. Davon ist in „Stadt, Land – Schluss“ nichts zu spüren. Es ist einfach eine Aneinanderreihung von Ereignissen in einer Zeitspanne von ca. zwei Jahren. Zwar soll am Ende die große „Entscheidung“ ob Stadt oder Land anstehen, aber das Ganze ist so unspektakulär aufgebaut, dass das Buch oder vielmehr der Blog auch einfach über diesen Tag hätte hinweggehen können, ohne das mir als Leser irgendein Unterschied aufgefallen wäre.
Insgesamt finde ich Judith O’Reillys Werk daher ziemlich nichtssagend.


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Michelle Zink: Die Prophezeiung der Schwestern

Bewertung: *****

Amalia (genannt Lia) und Alice Milthorpe leben im Jahr 1890 auf Birchwood, dem Anwesen ihrer Familie am Rande von New York. Nach dem Tod ihrer Mutter bemüht sich ihr Vater, gemeinsam mit ihrer Tante Virginia, den 16jährigen Zwillingsmädchen und ihrem jüngeren Bruder Henry ein behütetes Zuhause zu bieten. Doch unter merkwürdigen Umständen kommt auch ihr Vater ums Leben und Lia stellt sich die Frage, ob es nicht auch zum Tode ihrer Mutter noch offenen Fragen gibt.
Obwohl die Schwestern sich schon in den letzten Jahren immer mehr voneinander entfernt haben, muss Lia nun auch erkennen, dass ihre Zwillingsschwester Alice ihr nur noch äußerlich gleicht. Ihr Wesen scheint gänzlich anders zu sein, als das der sanftmütigen Lia.
Doch auch Lia stellt Veränderungen an sich fest. Seit dem Tod des Vaters bildet sich an ihrem Handgelenk ein seltsames Mal und merkwürdige Träume suchen sie heim. Gemeinsam mit ihrem Freund James findet sie in der Bibliothek ihres Vaters ein altertümliches Buch, das eine merkwürdige mythologische Geschichte über Zwillinge, die Tor und Wächter sind, sowie eine Prophezeiung enthält.
Sind Alice und Lia mit dieser Prophezeiung gemeint?

"Die Prophezeiung der Schwestern" hat mich von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen und begeistert. Leider ist es nur der erste von drei Bänden rund um die beiden ungleichen Zwillingsschwestern und die Prophezeiung, so dass ich nun leider noch lange warten muss, um zu erfahren wie die Geschichte weiter geht. Es scheint auch noch kein Veröffentlichungsdatum für den zweiten Band bekannt zu sein.
Ich mag generell sehr gerne Bücher, die Mythologie und Fantasy mit der realen Welt verbinden. Diese Mischung hat auch für "Die Prophezeiung der Schwestern" hervorragend funktioniert. Gemeinsam mit Lia entdeckt man als Leser immer mehr von den Hintergründen und viele Details werden der Reihe nach offenbart und ergeben das Gesamtbild. Da die Geschichte auch aus Lias Perspektive erzählt wird, weiß man zu jedem Zeitpunkt nur genauso viel wie sie selber und kann so ganz mit ihr mit fiebern.
Zwar ist der grundsätzliche Kampf von Gut gegen Böse schon oft in der Literatur verarbeitet worden, doch in dieser Art war es mir doch neu. Meistens ist es eine Gruppierung von Licht, die gegen die Dunkelheit kämpft. Doch die Personifizierung von Gut und Böse durch die mit der Geburt vergebenen Rollen von Wächter und Tor an zwei Zwillingsschwestern, war mir absolut neu. Besonders spannend finde ich jedoch daran den Aspekt, dass diese Rollen nicht festgeschrieben sind, sondern die Mädchen zusätzlich noch die Wahl haben auf welche Seite sie sich schlagen. Die weitere Entwicklung der Trilogie rund um die Schwestern ist dadurch noch überhaupt nicht absehbar.
Die Figuren des Buchs haben mir sehr gut gefallen, insbesondere auch Lias Freundinnen Sonia und Luisa, denen hoffentlich in den Nachfolgebänden noch eine größere Rolle zufallen wird.
Sehr interessant finde ich auch die zeitliche Epoche zum Ende des 19. Jahrhunderts, in der das Buch spielt. Zwar scheint Lia nicht gerade ein Musterbeispiel für die Konventionen zu sein, denen sich Mädchen zu dieser Zeit zu unterwerfen hatten, doch ich bin trotzdem sehr gespannt wie sie es schaffen wird, ihren Weg nun ohne ihre Eltern fortzusetzen.
In diesem Zusammenhang fällt mir auch das Titelcover ein, das zwar sehr schön anzusehen ist, stilistisch aber viel zu modern ausfällt. Viel besser gefällt mir da das Cover der amerikanischen Ausgabe, das sehr viel zurückhaltender ist und besser zur zeitlichen Epoche passt.
Da die Sprache des Buchs recht einfach gehalten ist, kommen sicherlich auch junge Leser schon gut damit zurecht. Inhaltlich würde ich jedoch eine Empfehlung ab ca. 13 Jahren aussprechen, nach oben hin steht die Grenze auch für an Jugendbüchern interessierte Erwachsene offen. Das Buch wurde mit sehr großer Schriftart gedruckt, die 408 Seiten der deutschen Ausgabe täuschen daher ein wenig mehr Inhalt vor, als tatsächlich vorliegt.
Insgesamt fällt mein Urteil zu "Die Prophezeiung der Schwestern" also absolut positiv aus und ich würde mich sehr freuen, noch mehr von der Autorin Michelle Zink zu lesen.


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John Katzenbach: Der Fotograf

Bewertung: *****

"Der Fotograf" von John Katzenbach war für mich ein eher enttäuschendes Leseerlebnis.
Nach "Die Anstalt" und "Der Patient" war ich der Meinung es hier mit einem neuen Thriller des Autors zu tun zu haben.
Es handelt sich jedoch lediglich um eine Neuauflage eines Buchs aus den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts, was man der Handlung deutlich anmerkte.
Ich fragte mich schon zu Anfang, warum denn die noch relativ jungen Figuren alle etwas mit dem Vietnam-Krieg zu tun hatten. Ein Blick auf das Datum der Erstveröffentlichung brachte dann die Erklärung.
Die Anmerkungen zu politischen Ereignissen sind ähnlich veraltet und die Einsicht, dass der Vietnam-Krieg nicht unbedingt die beste Idee war, ist auch noch nicht angekommen.
Ähnlich veraltet ist die Ermittlungsarbeit der Polizei. Es gibt kein Handy, Internet, DNA Abgleiche etc.
Vieles wirkt daher einfach unrealistisch und antiquiert aus aktueller Sicht.
Inhaltlich war "Der Fotograf" auch nicht so spannend wie ich es erwartet hatte. Der Klappentext versprach hier ebenfalls mehr, als das Buch halten konnte.


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Carlotto/Videtta: Wo die Zitronen blühen

Bewertung: *****

Wir befinden uns in einem Dorf im Nordosten von Italien. Das gesellschaftliche Leben wird bestimmt von zwei alteingesessenen Familien. Es sind die Familien Visentin, denen eine Reihe erfolgreicher Anwälte entspringt, und die Calchi Renier, eine adlige Industriellen-Familie.
Die Hochzeit von Francesco Visentin, dem jüngsten Spross der Familie, mit Giovanna Barovier steht kurz bevor, als diese tot in ihrer Wohnung aufgefunden wird. Francesco ist geschockt und gerät schließlich auch noch unter Mordverdacht. Sein Alibi ist lückenhaft und die Polizei ist davon überzeugt, dass Giovanna entweder von ihrem Verlobten oder einem Geliebten getötet wurde.
Für Francesco ist klar: Findet er den Liebhaber seiner Verlobten, so ist er auch dem Mörder auf der Spur. Doch wer ist der Unbekannte, der Giovannas Leben zerstörte?

Ich hatte mir von „Wo die Zitronen blühen“ eindeutig mehr versprochen, als das Buch halten konnte.
Die ersten Seiten legten den Grundstein zu einem spannenden Krimi mit kleinen Rahmenepisoden die Neugier weckten und dem jungen Anwalt, der seine Verlobte ermordet auffindet.
Doch schon nach dem ersten Drittel des Romans war mir klar, wer hier der Mörder sein muss und die Geschichte driftete immer mehr in Klischees ab. Wirkliche Spannung kam überhaupt nicht auf und die „Lösung“ des Falls wirkte auf mich so, als hätte man einfach etwas um den offensichtlichen Täter herumgesponnen, das einigermaßen zur Person und ihren eventuellen Beweggründen passt.
Zwar ist es hier nicht die Camorra die Angst und Schrecken verbreitet, aber das ist auch schon der einzige Unterschied zu einem abgehalfterten Mafia-Roman. Die beiden Autoren haben es jedenfalls geschafft, auch den Nordosten von Italien von einem Urlaubsparadies in eine von krimineller Energie strotzende Zone zu verwandeln.
Der frei nach Goethe gewählte Buchtitel „Wo die Zitronen blühen“ ist normalerweise eher Sinnbild für Urlaub, Sonne und Freigeist. Ich finde ihn daher für einen Krimi nicht sonderlich passend. Besser wäre es hier gewesen, den italienischen Originaltitel lediglich in deutscher Sprache zu übernehmen („Nordost“).
Auch die Figuren des Romans konnten bei mir keine großen Sympathien wecken. Giovanna bleibt undurchsichtig, Francesco ist sehr wechselhaft in seinem Verhalten und seinen Stimmungen und konnte mich mit seiner Trauer nicht wirklich überzeugen. Die anderen Charaktere wirkten entweder überheblich oder farblos.
Stilistisch fand ich „Wo die Zitronen blühen“ jedoch sehr interessant. Episoden an denen Francesco beteilig war, wurden aus seiner Sicht geschildert, alle anderen Vorkommnisse jedoch aus allgemeiner Perspektive.
Nach den Vorankündigungen sollen die Autoren Carlotto und Videtta dafür bekannt sein, „die bittere Wahrheit über unsere korrupte Gesellschaft“ zu erzählen und einen Krimi abzuliefern, der „den Mythos der italienischen Familie schonungslos zerlegt“. Nun, wenn das die Absicht der Autoren war, dann hoffe ich mal, dass ihnen da einfach nur die Phantasie ein wenig durchgegangen ist. Die Zerstörung des Familienidylls ist ganz gut gelungen, aber von Gesellschaftskritik habe ich da nichts raus gelesen.
Ich werde wohl in Zukunft darauf verzichten weitere Romane des Autoren-Duos zu lesen.


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Sarah Lark: Der Ruf des Kiwis

Bewertung: *****

Wie sehr hatte ich mich auf „Der Ruf des Kiwis“ gefreut! Endlich findet die Trilogie einen Abschluss, aber nun bin ich einfach nur enttäuscht.
Nach „Im Land der weißen Wolke“ und „Das Lied der Maori“, die mich sehr begeistert haben, hatte ich auf einen ähnlichen Effekt beim neuen Buch gehofft.
Ich habe das Buch zwar immer noch gerne gelesen und auch in Rekordtempo geschafft, aber richtig schön war es nicht.
Was mich an den Büchern von Sarah Lark bisher so fasziniert hat, sind die Beschreibungen der Natur, der Landschaft und der Kultur der Einwohner von Neuseeland in Verbindung mit einer ans Herz gehenden Geschichte. Über Generationen hinweg begleitete man Gwyneira, Helen und ihre Familien, doch die neue Generation und besonders deren Erlebnisse haben mich leider nicht mehr so begeistert. Das mag zum einen an der Zeit liegen, in der „Der Ruf des Kiwis“ spielt. Der Ausbruch des ersten Weltkrieges bringt viele Veränderungen mit sich und geht auch an den Hauptfiguren des Romans nicht spurlos vorbei. Worauf ich jedoch wirklich hätte verzichten können, sind die richtigen Kriegsszenen. Ebenso hat sich Sarah Lark mit Gloria Martyn (Gwyneiras Urenkelin) einen sehr schwierigen Charakter erwählt, mit dem ich leider nicht so recht warm wurde. Insgesamt werden in diesem Buch mehr Probleme angesprochen und negative Ereignisse aufgegriffen, als es gut für die Geschichte ist.
Ich wurde auch den Eindruck nicht los, dass dieses Buch auf dem Reißbrett entstanden ist und sich nur von Szene zu Szene hangelt. Die Figuren blieben dabei auf der Strecke.
Mit über 800 Seiten handelt es sich hier nicht gerade um ein dünnes Buch, so dass ich zumindest nicht die Veranlassung sehe, die Handlung durch unglaubliche Geschehnisse künstlich zu strecken. 200 Seiten weniger wären an dieser Stelle mehr gewesen.

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Montag, 26. November 2012

Stephenie Meyer: Biss zum Ende der Nacht


Bella hat sich für Edward entschieden, die Hochzeit wird geplant. Für sie ist es jedoch keine Entscheidung gegen Jacob, sondern für eine gemeinsame Zukunft mit Edward. Jacob ist tief verletzt. Alle seine Hoffnungen, dass sich Bella für ihn entscheiden wird, sind zerstört.
Für Edward ist die Hochzeit die Erfüllung seiner Träume und seiner Bedingung an Bella. Bella sieht der Hochzeit mit eher gemischten Gefühlen entgegen, eine Notwendigkeit auf dem Weg zur Unsterblichkeit, aber auch das Versprechen an eine Zukunft mit Edward.
Doch können soviele Hoffnungen und Träume wirklich ihre Erfüllung finden, oder müssen die Hoffnungen aufgegeben und das zerplatzen der Träume akzeptiert werden?
Wahre Fans von Edward, Bella und Jacob werden dies selber herausfinden wollen!

„Bis(s) zum Ende der Nacht“ setzt zum einen die erfolgreiche Verbindung von Vampirroman und Liebesgeschichte der Vorgängerbände fort, zum anderen ist es jedoch auch eine komplett neue Geschichte.
Eines fällt am deutlichsten auf: Bella, Jacob und Edward sind erwachsen geworden.
Es ist nicht länger eine Teenagerromanze (auch wenn Edward nicht wirklich als Teenager bezeichnet werden konnte), sondern ein Buch über wichtige Entscheidungen, große Veränderungen und den Problemen die das Erwachsensein mit sich bringen kann.
Das Tempo in dem Bella und Edward hier vorgehen, sollte sicherlich nicht als Beispiel für jugendliche Leser dienen. Doch es ist die logische Konsequenz aus der ebenso rasanten Entwicklung ihrer Beziehung. Sie können nicht als Maßstab für richtiges oder angemessenes Verhalten dienen, doch es ist einfach schön sich ein wenig der romantischen Verklärung hinzugeben.
Deutlicher als in den vorherigen Bänden ist Stephenie Meyers eigene Moral zu erkennen und so hat das Buch auch einiges von der Prüderie amerikanischer High School Filme.
Was bleibt, ist jedoch die große Verbundenheit zu den Figuren. Ich habe wie erwartet jede Minute mit Bella gehadert, mit Edward gejubelt oder mit Jacob gekämpft.
Mir gefallen nicht alle Ideen der Autorin und ich kann mit Gewissheit sagen, dass ich keine Verfilmung des Buchs sehen will. Nach dem Erfolg der ersten drei Bücher, kann ich nur vermuten, dass sich Stephenie Meyer unter Druck gesetzt fühlte möglichst viel an Neuem in diesem Buch zu bieten. Mir persönlich hätte jedoch auch die einfache Gefühlswelt der ersten Bücher ohne eine Überraschung nach der anderen gereicht.
Meine Wünsche für Bella haben sich nicht so erfüllt wie ich es erwartet hatte. Doch nur weil es sich nicht so entwickelt hat wie von mir geplant, ist es nicht sofort schlecht. Es ist eine Wendung der Geschichte, die ich erst verkraften musste, doch sie hinterlässt bei mir nun dennoch das Gefühl, dass es ein würdiger Abschluss der Reihe ist.
Gleiches gilt auch für die Entwicklung der Figuren. Vor allem Bella hat große Veränderungen durch gemacht und so blicke ich auch wehmütig dem tollpatschigen Mädchen nach, das nun auch in dieser Hinsicht erwachsen geworden ist. Sehr ans Herz gewachsen ist mir Jacob. Seine Entwicklung ist sehr wohltuend und seine Wärme ist es, die mich auch durch das Buch hindurch erwärmt hat – bis ins Innerste.
So wird auch dieses Buch einen Ehrenplatz in meinen Regal zwischen „Bis(s) zum Abendrot“ und „Seelen“ erhalten und sicherlich werde ich es auch erneut lesen.

So habe ich bewertet:


Hier ist ein Trailer zur Verfilmung:


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Donnerstag, 15. November 2012

Thomas Plischke: Die Zwerge von Amboss

Bewertung: *****

Der Wahlkampf im Zwergenbund hat begonnen. Der Oberste Vorarbeiter Gorid hat große Pläne seinen Namen auch für die Zukunft unvergessen zu machen.
In der Zwergenstadt Amboss kommt es zu einem rätselhaften Mord an einem Zwerg durch einen Menschen. Sucher Garep Schmied ist mit den Ermittlungen beauftragt.
In den zerrissenen Reichen, nahe der Menschenstadt Gottespfand erhält der Jäger Siris einen neuen Auftrag. Doch er ist auch in Sorge um seine Schwester die im Zwergenbund lebt.
In der polnahen Zwergenstadt Stahlstadt arbeitet Himek Steinbrecher als Leiböffner in einer Heilanstalt. Er ist seinem Vorgesetzten Fejod Kolbner bei Experimenten an Menschen und Halblingen behilflich.
Doch in welcher Verbindung stehen diese Personen zueinander?

"Die Zwerge von Amboss – Die zerrissenen Reiche 1" konnte mich leider nicht vollständig überzeugen. Die Idee einer Welt in der die vermeintliche Krone der Schöpfung -der Mensch- eine eher untergeordnete Position einnimmt und den Zwergen an Fortschritt unterlegen ist, fand ich interessant.
Die Reaktionen der Menschen auf den Fortschritt tragen jedoch auch sehr zur Unterhaltung bei.
Die Zwerge führen ein Leben, das in etwa den technologischen Stand von vor 150 Jahren hat. Der Zwergenbund ist von einem Schienennetz durchzogen und die Zwerge haben Schusswaffen entwickelt. Dies schürt jedoch auch die Angst, dass dieses Wissen einem anderen Volk zukommen könnte, dass sich daraufhin gegen die Zwerge erhebt. Die Grenzen sind daher abgeschottet, es herrschen strenge Zollrichtlinien.
Wie weit darf Forschung Opfer einfordern? Welche Traditionen anderer Völker müssen geachtet werden und was ist ein Volk bereit zu tun, um ihre Machtposition zu bekräftigen oder gar zu stärken?
Durch die Unterschiede zwischen den naturverbundenen aber bürokratischen Halblingen, den industriellen Zwergen und den religiösen Menschen werden viele Fragen über die Struktur der unterschiedlichen Gesellschaften aufgeworfen.
Die Ansätze dazu fand ich gut, jedoch hat der Autor meiner Meinung nach hier zu viel auf einmal gewollt.
Im Buch wimmelt es zudem von Phrasen. Rituelle Begrüßungs- und Belobigungssätze der Zwerge, sowie religiöse Zitate der Menschen ziehen sich kontinuierlich durch den Roman. Das ist anfangs unterhaltsam, später empfand ich es jedoch als anstrengend.
Durch die unterschiedlichen Handlungsstränge, die zunächst ohne Verbindung zueinander standen, hatte ich Probleme mich in die Geschichte einzufinden.
Ohne das hilfreiche Kartenmaterial hätte mir auch die Orientierung gefehlt, was denn überhaupt die Zerrissenen Reiche sind und wie die Flüchtlinge in den Zwergenbund gelangen. Anhand der Karten wird jedoch auch deutlich, dass es sich bei dieser Welt nicht um die Erde handeln kann. Der Planet scheint kleiner zu sein, die Kontinente sind anders angeordnet und die Klimazonen anscheinend weniger ausgeprägt.
Das Titelcover hat mich nicht wirklich überzeugt, da es auch nicht zum Bild der Zwerge passt, dass man sich beim Lesen macht.
Den Titel finde ich dagegen gut gewählt, da in diesem Buch tatsächlich zunächst die Zwerge aus der Stadt Amboss im Vordergrund stehen.


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Mittwoch, 14. November 2012

Klaus-Peter Wolf: Licht am Ende des Tunnels

Bewertung: *****

Robert Sonntag ist elf Jahre alt, als sein Großvater verstirbt. Obwohl dieser Firmengründer und Anteilseigner war, fand er immer Zeit für seinen Enkel. Für Robert ist es schwer ohne diese wichtige Bezugsperson zurechtzukommen. Nach einem Unfall liegt er für viele Wochen im Koma. Er sieht das sprichwörtliche "Licht am Ende des Tunnels". Doch sein Großvater hält ihn davon ab ins Licht zu gehen. Als er wieder aufwacht, hat sich auch seine direkte Umwelt verändert. Seine Eltern haben sich getrennt. Roberts Vater verbringt die meiste Zeit des Jahres in Amerika, seine Mutter geht eine neue Beziehung ein.
Robert ist nun 14 Jahre alt und kommt auf ein Internat in der Schweiz.
Der Kontakt zur Familie ist nur sporadisch da und so freut sich Robert zunächst, als ein Tag vor den Ferien ein Mitarbeiter seines Vaters auftaucht, um ihn zu seinem Vater zu bringen. Doch Freddy Frambach hat nichts Gutes im Sinn, er entführt Robert ...

"Licht am Ende des Tunnels" ist ein erfrischend anderes Jugendbuch, an dem auch erwachsene Leser ihre Freude haben können.
Der Titel kann hier sowohl für Roberts Nahtoderfahrung stehen, als auch als Leitsatz für alle Leser:
Gib niemals auf! Handle! Nutze die Zeit! Es gibt einen Ausweg für Dich!
Es ist hier nicht wichtig, ob Robert tatsächlich seinen toten Großvater sieht, oder ob man gläubig ist. Entscheidend ist die Sichtweise die hier vermittelt wird. Verpackt in einen möglichst unblutigen Thriller, stellt dieses Buch einen interessanten Anreiz für Leser ab ca. 12 Jahren dar. Durch die Schilderung der Ereignisse aus Roberts Perspektive ist der Leser von Anfang an in seine Gefühlswelt eingebunden. Gleichzeitig erhält man dadurch jedoch auch die beruhigende Gewissheit, dass die Entführung für Robert kein tödliches Ende nimmt.
Neben der Entführung spielen hier auch alltägliche Verlustängste von Kindern und Teenagern eine Rolle. Mit dem Tod seines Opas verlor Robert seine wichtigste Bezugsperson. Sein Vater zieht ihm das Geschäft vor, seine Mutter erkennt erst spät was sie an ihrem Sohn hat. Robert fühlt sich allein gelassen in der Welt, abgeschoben in ein Internat. Die Entführung ist somit eigentlich die erzwungene Handlungsunfähigkeit, die er psychisch schon lange fühlt. Robert muss sich seinem Entführer entgegenstellen, sich aus einer ausweglosen Situation befreien und schafft es so auch, zu sich selbst zu finden.
"Licht am Ende des Tunnels" lenkt den Blick auf die wichtigen Dinge im Leben. Die Firmenleitung mit Hauptaugenmerk auf den Interessen der Angestellten ist für Roberts Opa wichtiger, als den Profit zu erhöhen und die persönliche Zuwendung durch seinen Opa ist für Robert sehr viel wichtiger als eine teure Schule.
Dieses Buch kann auch zur Trauerbegleitung für Jugendliche dienen.
Besonders ansprechend ist die Geschenkedition im Schmuckkarton mit einleitendem (fiktiven) Zeitungsartikel und kleiner Taschenlampe die "Licht ins Dunkel bringt".


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Dienstag, 13. November 2012

Judith Lennox: Das Haus in den Wolken

Bewertung: *****

Im Jahr 1909 lernt Richard Finborough zufällig in einem kleinen Dorf Isabel kennen. Er stammt aus einer gesellschaftlich geachteten Familie und steht kurz vor dem Durchbruch als sehr erfolgreicher Geschäftsmann. Isabel stammt aus einfachen Verhältnissen und weis nach dem Tod ihres Arbeitgebers noch nicht wie es mit ihrem Leben weiter gehen soll. Richard verliebt sich in Isabel und bittet sie ihn zu heiraten. Nur zögernd stimmt sie zu, da es ein Geheimnis in ihrer Vergangenheit gibt, dass sie ihm nicht offenbaren kann.
Dies ist der Auftakt zu einer Familienchronik der Jahre 1909 bis 1942. Das Leben von Richard, Isabel und ihrer Kinder während zweier Kriege und in Friedenszeiten, sowie die gesellschaftlichen Konventionen dieser Zeit stehen hier im Vordergrund.

"Das Haus in den Wolken" ist ein Gesellschaftsroman und eine Familienchronik der Zeitspanne von 1909 bis 1942. In vier Teilen wird hier die Geschichte der Familie Finborough aus unterschiedlichen Perspektiven geschildert. Die Erzählung ist dabei nahezu ohne zeitliche Lücken und sehr fließend wiedergegeben.
Die Schilderung der Ereignisse wirkt realistisch für die Zeitepoche. Besonders die Kapitel, die den weiblichen Familienmitgliedern gewidmet sind fand ich sehr interessant. Sicherlich auch aus dem Grund, da ich als weibliche Leserin hier einen direkten Vergleich anstellen konnte zwischen dem Leben wie ich es kenne und wie es in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts für Frauen war.
Als etwas verwirrend empfand ich die vielen Nebencharaktere. Häufig musste ich bei einem Namen erst noch einmal überlegen, wer diese Person nun wieder war. Einen Glossar hätte ich an dieser Stelle hilfreich gefunden.
Als interessant empfand ich die Sichtweise der Figuren auf tatsächliche Begebenheiten, wie die Abdankung von König Edward, oder den Machtantritt Hitlers. Politische Diskussionen und Auseinandersetzungen mit den unterschiedlichen Gesellschaftsformen finden durchaus statt. Judith Lennox lässt sich hier keineswegs auf das Genre Liebesroman einengen.
Den Titel konnte ich leider in keinen direkten Zusammenhang zum Inhalt bringen, ich finde ihn daher nicht sehr treffend. Der Originaltitel "Before the Storm" scheint mir eher passend.
Das Cover gefällt mir jedoch gut.


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Montag, 12. November 2012

Linwood Barclay: Dem Tode nah

Bewertung: *****

Derek Cutter ist ein 17jähriger Junge, der mit seinen Eltern Jim und Ellen in Promise Falls/New York lebt. Sein bester Freund Adam Langley lebt mit seiner Familie im Nachbar Haus. Sie teilen ein großes Hobby: alte Computer.
Um endlich einmal mit seiner Freundin Penny alleine sein zu können, plant Derek heimlich im Haus der Langleys zu bleiben, während diese in den Urlaub aufbrechen.
Alles beginnt wie geplant, doch überraschend kehren die Langleys schon nach kurzer Zeit nach Hause zurück und Derek kann sich gerade noch im Keller verstecken. Kurz darauf muss er Unfassbares mit anhören. Ein Unbekannter dringt ins Haus ein und erschießt die komplette Familie.
Aus Angst vor den Folgen für ihn selbst, traut sich Derek nicht, dass Verbrechen jemandem zu offenbaren.
Doch am nächsten Tag findet eine Mitarbeiterin von Mr. Langley die Familie.
Promise Falls ist erschüttert.
Ellen Cutter, Dereks Mutter, arbeitet für die Universität und organisiert in dieser Funktion ein Literatur Festival.
Jim Cutter, Dereks Vater, arbeitete in früheren Jahren für den Bürgermeister. Doch nach einem "Zwischenfall" betreibt er nun einen Gärtnerservice.
Die Polizei beginnt mit ihren Ermittlungen und schließlich gehört auch Derek zum Kreis der Verdächtigen.
Jim Cutter fallen vermehrt Ungereimtheiten auf und er beschließt auf eigene Faust Informationen zu sammeln. Doch kann er wirklich die Wahrheit ans Tageslicht bringen, oder muss er nun gar um sein eigenes Leben fürchten?


"Dem Tode nah" ist ein gut konstruierter Roman, was zugleich Stärke und Schwäche des Buchs ist.
Die Story schreitet mit rasantem Tempo voran, unerwartete Wendungen der Ereignisse prägen den Plot und gerade wenn man sich sicher ist die Auflösung zu kennen, gibt es neue Informationen, die alles ändern.
Das ist jedoch auch gleichzeitig die große Schwäche des Romans. Hier war es ein wenig zu viel des Guten und die Story wirkt dadurch etwas zu sehr konstruiert und unwahrscheinlich.
War der Prolog noch aus Sicht von Derek, so wechselt die Perspektive ab dem ersten Kapitel zu Jim Cutter. Seine Gedanken wirken so auch im Schreibstil deutlich gereifter und mit klarem Vokabular. Jedoch wirkt dieser Erzähler nie belehrend, sondern kommt wunderbar locker und leicht daher.
Ähnlich einer männlichen Miss Marple beginnt Jim hinter die Fassaden zu sehen. Er will nicht hinnehmen, dass die Polizei ihren Verdächtigen inhaftiert hat. Der Leser weiß zu jedem Zeitpunkt immer nur genau soviel, wie auch Jim an Informationen zur Verfügung hat. Das macht es spannend mit zu rätseln.
Ebenso interessant wie die Aufklärung der Mordfälle, fand ich jedoch die Nebenplots. Sowohl die kleinen Seitenhiebe auf selbstgefällige Kleinstadtpolitiker, als auch der nicht fehlende "Donut-und-Kaffee" Polizist trugen dazu bei.
Insgesamt werden in diesem Thriller sehr viele Klischees bedient, was jedoch bei den Deutschen Lesern eher ein Schmunzeln herbeiführen sollte.



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