Montag, 26. November 2012

Stephenie Meyer: Biss zum Ende der Nacht


Bella hat sich für Edward entschieden, die Hochzeit wird geplant. Für sie ist es jedoch keine Entscheidung gegen Jacob, sondern für eine gemeinsame Zukunft mit Edward. Jacob ist tief verletzt. Alle seine Hoffnungen, dass sich Bella für ihn entscheiden wird, sind zerstört.
Für Edward ist die Hochzeit die Erfüllung seiner Träume und seiner Bedingung an Bella. Bella sieht der Hochzeit mit eher gemischten Gefühlen entgegen, eine Notwendigkeit auf dem Weg zur Unsterblichkeit, aber auch das Versprechen an eine Zukunft mit Edward.
Doch können soviele Hoffnungen und Träume wirklich ihre Erfüllung finden, oder müssen die Hoffnungen aufgegeben und das zerplatzen der Träume akzeptiert werden?
Wahre Fans von Edward, Bella und Jacob werden dies selber herausfinden wollen!

„Bis(s) zum Ende der Nacht“ setzt zum einen die erfolgreiche Verbindung von Vampirroman und Liebesgeschichte der Vorgängerbände fort, zum anderen ist es jedoch auch eine komplett neue Geschichte.
Eines fällt am deutlichsten auf: Bella, Jacob und Edward sind erwachsen geworden.
Es ist nicht länger eine Teenagerromanze (auch wenn Edward nicht wirklich als Teenager bezeichnet werden konnte), sondern ein Buch über wichtige Entscheidungen, große Veränderungen und den Problemen die das Erwachsensein mit sich bringen kann.
Das Tempo in dem Bella und Edward hier vorgehen, sollte sicherlich nicht als Beispiel für jugendliche Leser dienen. Doch es ist die logische Konsequenz aus der ebenso rasanten Entwicklung ihrer Beziehung. Sie können nicht als Maßstab für richtiges oder angemessenes Verhalten dienen, doch es ist einfach schön sich ein wenig der romantischen Verklärung hinzugeben.
Deutlicher als in den vorherigen Bänden ist Stephenie Meyers eigene Moral zu erkennen und so hat das Buch auch einiges von der Prüderie amerikanischer High School Filme.
Was bleibt, ist jedoch die große Verbundenheit zu den Figuren. Ich habe wie erwartet jede Minute mit Bella gehadert, mit Edward gejubelt oder mit Jacob gekämpft.
Mir gefallen nicht alle Ideen der Autorin und ich kann mit Gewissheit sagen, dass ich keine Verfilmung des Buchs sehen will. Nach dem Erfolg der ersten drei Bücher, kann ich nur vermuten, dass sich Stephenie Meyer unter Druck gesetzt fühlte möglichst viel an Neuem in diesem Buch zu bieten. Mir persönlich hätte jedoch auch die einfache Gefühlswelt der ersten Bücher ohne eine Überraschung nach der anderen gereicht.
Meine Wünsche für Bella haben sich nicht so erfüllt wie ich es erwartet hatte. Doch nur weil es sich nicht so entwickelt hat wie von mir geplant, ist es nicht sofort schlecht. Es ist eine Wendung der Geschichte, die ich erst verkraften musste, doch sie hinterlässt bei mir nun dennoch das Gefühl, dass es ein würdiger Abschluss der Reihe ist.
Gleiches gilt auch für die Entwicklung der Figuren. Vor allem Bella hat große Veränderungen durch gemacht und so blicke ich auch wehmütig dem tollpatschigen Mädchen nach, das nun auch in dieser Hinsicht erwachsen geworden ist. Sehr ans Herz gewachsen ist mir Jacob. Seine Entwicklung ist sehr wohltuend und seine Wärme ist es, die mich auch durch das Buch hindurch erwärmt hat – bis ins Innerste.
So wird auch dieses Buch einen Ehrenplatz in meinen Regal zwischen „Bis(s) zum Abendrot“ und „Seelen“ erhalten und sicherlich werde ich es auch erneut lesen.

So habe ich bewertet:


Hier ist ein Trailer zur Verfilmung:


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Donnerstag, 15. November 2012

Thomas Plischke: Die Zwerge von Amboss

Bewertung: *****

Der Wahlkampf im Zwergenbund hat begonnen. Der Oberste Vorarbeiter Gorid hat große Pläne seinen Namen auch für die Zukunft unvergessen zu machen.
In der Zwergenstadt Amboss kommt es zu einem rätselhaften Mord an einem Zwerg durch einen Menschen. Sucher Garep Schmied ist mit den Ermittlungen beauftragt.
In den zerrissenen Reichen, nahe der Menschenstadt Gottespfand erhält der Jäger Siris einen neuen Auftrag. Doch er ist auch in Sorge um seine Schwester die im Zwergenbund lebt.
In der polnahen Zwergenstadt Stahlstadt arbeitet Himek Steinbrecher als Leiböffner in einer Heilanstalt. Er ist seinem Vorgesetzten Fejod Kolbner bei Experimenten an Menschen und Halblingen behilflich.
Doch in welcher Verbindung stehen diese Personen zueinander?

"Die Zwerge von Amboss – Die zerrissenen Reiche 1" konnte mich leider nicht vollständig überzeugen. Die Idee einer Welt in der die vermeintliche Krone der Schöpfung -der Mensch- eine eher untergeordnete Position einnimmt und den Zwergen an Fortschritt unterlegen ist, fand ich interessant.
Die Reaktionen der Menschen auf den Fortschritt tragen jedoch auch sehr zur Unterhaltung bei.
Die Zwerge führen ein Leben, das in etwa den technologischen Stand von vor 150 Jahren hat. Der Zwergenbund ist von einem Schienennetz durchzogen und die Zwerge haben Schusswaffen entwickelt. Dies schürt jedoch auch die Angst, dass dieses Wissen einem anderen Volk zukommen könnte, dass sich daraufhin gegen die Zwerge erhebt. Die Grenzen sind daher abgeschottet, es herrschen strenge Zollrichtlinien.
Wie weit darf Forschung Opfer einfordern? Welche Traditionen anderer Völker müssen geachtet werden und was ist ein Volk bereit zu tun, um ihre Machtposition zu bekräftigen oder gar zu stärken?
Durch die Unterschiede zwischen den naturverbundenen aber bürokratischen Halblingen, den industriellen Zwergen und den religiösen Menschen werden viele Fragen über die Struktur der unterschiedlichen Gesellschaften aufgeworfen.
Die Ansätze dazu fand ich gut, jedoch hat der Autor meiner Meinung nach hier zu viel auf einmal gewollt.
Im Buch wimmelt es zudem von Phrasen. Rituelle Begrüßungs- und Belobigungssätze der Zwerge, sowie religiöse Zitate der Menschen ziehen sich kontinuierlich durch den Roman. Das ist anfangs unterhaltsam, später empfand ich es jedoch als anstrengend.
Durch die unterschiedlichen Handlungsstränge, die zunächst ohne Verbindung zueinander standen, hatte ich Probleme mich in die Geschichte einzufinden.
Ohne das hilfreiche Kartenmaterial hätte mir auch die Orientierung gefehlt, was denn überhaupt die Zerrissenen Reiche sind und wie die Flüchtlinge in den Zwergenbund gelangen. Anhand der Karten wird jedoch auch deutlich, dass es sich bei dieser Welt nicht um die Erde handeln kann. Der Planet scheint kleiner zu sein, die Kontinente sind anders angeordnet und die Klimazonen anscheinend weniger ausgeprägt.
Das Titelcover hat mich nicht wirklich überzeugt, da es auch nicht zum Bild der Zwerge passt, dass man sich beim Lesen macht.
Den Titel finde ich dagegen gut gewählt, da in diesem Buch tatsächlich zunächst die Zwerge aus der Stadt Amboss im Vordergrund stehen.


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Mittwoch, 14. November 2012

Klaus-Peter Wolf: Licht am Ende des Tunnels

Bewertung: *****

Robert Sonntag ist elf Jahre alt, als sein Großvater verstirbt. Obwohl dieser Firmengründer und Anteilseigner war, fand er immer Zeit für seinen Enkel. Für Robert ist es schwer ohne diese wichtige Bezugsperson zurechtzukommen. Nach einem Unfall liegt er für viele Wochen im Koma. Er sieht das sprichwörtliche "Licht am Ende des Tunnels". Doch sein Großvater hält ihn davon ab ins Licht zu gehen. Als er wieder aufwacht, hat sich auch seine direkte Umwelt verändert. Seine Eltern haben sich getrennt. Roberts Vater verbringt die meiste Zeit des Jahres in Amerika, seine Mutter geht eine neue Beziehung ein.
Robert ist nun 14 Jahre alt und kommt auf ein Internat in der Schweiz.
Der Kontakt zur Familie ist nur sporadisch da und so freut sich Robert zunächst, als ein Tag vor den Ferien ein Mitarbeiter seines Vaters auftaucht, um ihn zu seinem Vater zu bringen. Doch Freddy Frambach hat nichts Gutes im Sinn, er entführt Robert ...

"Licht am Ende des Tunnels" ist ein erfrischend anderes Jugendbuch, an dem auch erwachsene Leser ihre Freude haben können.
Der Titel kann hier sowohl für Roberts Nahtoderfahrung stehen, als auch als Leitsatz für alle Leser:
Gib niemals auf! Handle! Nutze die Zeit! Es gibt einen Ausweg für Dich!
Es ist hier nicht wichtig, ob Robert tatsächlich seinen toten Großvater sieht, oder ob man gläubig ist. Entscheidend ist die Sichtweise die hier vermittelt wird. Verpackt in einen möglichst unblutigen Thriller, stellt dieses Buch einen interessanten Anreiz für Leser ab ca. 12 Jahren dar. Durch die Schilderung der Ereignisse aus Roberts Perspektive ist der Leser von Anfang an in seine Gefühlswelt eingebunden. Gleichzeitig erhält man dadurch jedoch auch die beruhigende Gewissheit, dass die Entführung für Robert kein tödliches Ende nimmt.
Neben der Entführung spielen hier auch alltägliche Verlustängste von Kindern und Teenagern eine Rolle. Mit dem Tod seines Opas verlor Robert seine wichtigste Bezugsperson. Sein Vater zieht ihm das Geschäft vor, seine Mutter erkennt erst spät was sie an ihrem Sohn hat. Robert fühlt sich allein gelassen in der Welt, abgeschoben in ein Internat. Die Entführung ist somit eigentlich die erzwungene Handlungsunfähigkeit, die er psychisch schon lange fühlt. Robert muss sich seinem Entführer entgegenstellen, sich aus einer ausweglosen Situation befreien und schafft es so auch, zu sich selbst zu finden.
"Licht am Ende des Tunnels" lenkt den Blick auf die wichtigen Dinge im Leben. Die Firmenleitung mit Hauptaugenmerk auf den Interessen der Angestellten ist für Roberts Opa wichtiger, als den Profit zu erhöhen und die persönliche Zuwendung durch seinen Opa ist für Robert sehr viel wichtiger als eine teure Schule.
Dieses Buch kann auch zur Trauerbegleitung für Jugendliche dienen.
Besonders ansprechend ist die Geschenkedition im Schmuckkarton mit einleitendem (fiktiven) Zeitungsartikel und kleiner Taschenlampe die "Licht ins Dunkel bringt".


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Dienstag, 13. November 2012

Judith Lennox: Das Haus in den Wolken

Bewertung: *****

Im Jahr 1909 lernt Richard Finborough zufällig in einem kleinen Dorf Isabel kennen. Er stammt aus einer gesellschaftlich geachteten Familie und steht kurz vor dem Durchbruch als sehr erfolgreicher Geschäftsmann. Isabel stammt aus einfachen Verhältnissen und weis nach dem Tod ihres Arbeitgebers noch nicht wie es mit ihrem Leben weiter gehen soll. Richard verliebt sich in Isabel und bittet sie ihn zu heiraten. Nur zögernd stimmt sie zu, da es ein Geheimnis in ihrer Vergangenheit gibt, dass sie ihm nicht offenbaren kann.
Dies ist der Auftakt zu einer Familienchronik der Jahre 1909 bis 1942. Das Leben von Richard, Isabel und ihrer Kinder während zweier Kriege und in Friedenszeiten, sowie die gesellschaftlichen Konventionen dieser Zeit stehen hier im Vordergrund.

"Das Haus in den Wolken" ist ein Gesellschaftsroman und eine Familienchronik der Zeitspanne von 1909 bis 1942. In vier Teilen wird hier die Geschichte der Familie Finborough aus unterschiedlichen Perspektiven geschildert. Die Erzählung ist dabei nahezu ohne zeitliche Lücken und sehr fließend wiedergegeben.
Die Schilderung der Ereignisse wirkt realistisch für die Zeitepoche. Besonders die Kapitel, die den weiblichen Familienmitgliedern gewidmet sind fand ich sehr interessant. Sicherlich auch aus dem Grund, da ich als weibliche Leserin hier einen direkten Vergleich anstellen konnte zwischen dem Leben wie ich es kenne und wie es in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts für Frauen war.
Als etwas verwirrend empfand ich die vielen Nebencharaktere. Häufig musste ich bei einem Namen erst noch einmal überlegen, wer diese Person nun wieder war. Einen Glossar hätte ich an dieser Stelle hilfreich gefunden.
Als interessant empfand ich die Sichtweise der Figuren auf tatsächliche Begebenheiten, wie die Abdankung von König Edward, oder den Machtantritt Hitlers. Politische Diskussionen und Auseinandersetzungen mit den unterschiedlichen Gesellschaftsformen finden durchaus statt. Judith Lennox lässt sich hier keineswegs auf das Genre Liebesroman einengen.
Den Titel konnte ich leider in keinen direkten Zusammenhang zum Inhalt bringen, ich finde ihn daher nicht sehr treffend. Der Originaltitel "Before the Storm" scheint mir eher passend.
Das Cover gefällt mir jedoch gut.


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Montag, 12. November 2012

Linwood Barclay: Dem Tode nah

Bewertung: *****

Derek Cutter ist ein 17jähriger Junge, der mit seinen Eltern Jim und Ellen in Promise Falls/New York lebt. Sein bester Freund Adam Langley lebt mit seiner Familie im Nachbar Haus. Sie teilen ein großes Hobby: alte Computer.
Um endlich einmal mit seiner Freundin Penny alleine sein zu können, plant Derek heimlich im Haus der Langleys zu bleiben, während diese in den Urlaub aufbrechen.
Alles beginnt wie geplant, doch überraschend kehren die Langleys schon nach kurzer Zeit nach Hause zurück und Derek kann sich gerade noch im Keller verstecken. Kurz darauf muss er Unfassbares mit anhören. Ein Unbekannter dringt ins Haus ein und erschießt die komplette Familie.
Aus Angst vor den Folgen für ihn selbst, traut sich Derek nicht, dass Verbrechen jemandem zu offenbaren.
Doch am nächsten Tag findet eine Mitarbeiterin von Mr. Langley die Familie.
Promise Falls ist erschüttert.
Ellen Cutter, Dereks Mutter, arbeitet für die Universität und organisiert in dieser Funktion ein Literatur Festival.
Jim Cutter, Dereks Vater, arbeitete in früheren Jahren für den Bürgermeister. Doch nach einem "Zwischenfall" betreibt er nun einen Gärtnerservice.
Die Polizei beginnt mit ihren Ermittlungen und schließlich gehört auch Derek zum Kreis der Verdächtigen.
Jim Cutter fallen vermehrt Ungereimtheiten auf und er beschließt auf eigene Faust Informationen zu sammeln. Doch kann er wirklich die Wahrheit ans Tageslicht bringen, oder muss er nun gar um sein eigenes Leben fürchten?


"Dem Tode nah" ist ein gut konstruierter Roman, was zugleich Stärke und Schwäche des Buchs ist.
Die Story schreitet mit rasantem Tempo voran, unerwartete Wendungen der Ereignisse prägen den Plot und gerade wenn man sich sicher ist die Auflösung zu kennen, gibt es neue Informationen, die alles ändern.
Das ist jedoch auch gleichzeitig die große Schwäche des Romans. Hier war es ein wenig zu viel des Guten und die Story wirkt dadurch etwas zu sehr konstruiert und unwahrscheinlich.
War der Prolog noch aus Sicht von Derek, so wechselt die Perspektive ab dem ersten Kapitel zu Jim Cutter. Seine Gedanken wirken so auch im Schreibstil deutlich gereifter und mit klarem Vokabular. Jedoch wirkt dieser Erzähler nie belehrend, sondern kommt wunderbar locker und leicht daher.
Ähnlich einer männlichen Miss Marple beginnt Jim hinter die Fassaden zu sehen. Er will nicht hinnehmen, dass die Polizei ihren Verdächtigen inhaftiert hat. Der Leser weiß zu jedem Zeitpunkt immer nur genau soviel, wie auch Jim an Informationen zur Verfügung hat. Das macht es spannend mit zu rätseln.
Ebenso interessant wie die Aufklärung der Mordfälle, fand ich jedoch die Nebenplots. Sowohl die kleinen Seitenhiebe auf selbstgefällige Kleinstadtpolitiker, als auch der nicht fehlende "Donut-und-Kaffee" Polizist trugen dazu bei.
Insgesamt werden in diesem Thriller sehr viele Klischees bedient, was jedoch bei den Deutschen Lesern eher ein Schmunzeln herbeiführen sollte.



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Freitag, 9. November 2012

Anne Chaplet: Schrei nach Stille

Bewertung: *****

Die erfolgreiche Autorin Sophie Winter hat zum Unverständnis aller Nachbarn ein altes Haus in Klein-Roda gekauft. Doch es ist nicht irgendein Haus. Ein Fluch lastet auf den Mauern und im Laufe der Jahrzehnte hat sich sein Ruf nicht verbessert. Sophie Winter ist jedoch auch eine Frau mit Vergangenheit. In ihrem Bestsellerroman „Summer of Love“ erzählt sie eine Geschichte von Sex, Drugs und Rock’n’Roll in Konfrontation mit der Spießigkeit der Landbevölkerung. Doch wie viel Wirklichkeit steckt in dem Buch?
Paul Bremer lebt im gleichen Dorf wie Sophie Winter. Auch er ist ein Zugezogener und sieht die Ablehnung die der Autorin von der Nachbarschaft entgegen kommt. Was ist damals vor 40 Jahren im Dorf wirklich geschehen?
Giorgio DeLange ist Polizeikommissar und wird als Berater zur Verfilmung von „Summer of Love“ hinzugezogen. Doch etwas an dem Buch lässt ihm keine Ruhe: Die Erinnerung an einen alten Vermisstenfall an der Polizeischule, der nie aufgeklärt werden konnte.
Wie hängen alle diese Personen zusammen und was ist wirklich im „Summer of Love“ geschehen?


Nach einem starken Beginn mit bildhafter Sprache lässt der Spannungsbogen leider schnell nach. Zwar sind die drei Erzählstränge für sich sehr interessant, doch wirkte die Zusammenführung der Bruchstücke auf den letzten Seiten des Buchs auf mich sehr konstruiert und mit vielen Mutmaßungen aufgefüllt.
Den Titel empfinde ich als sehr passend. Das Oxymoron „Schrei nach Stille“ spiegelt durch seine Gegensätzlichkeit auch die Position von Sophie Winter wieder. Auf der einen Seite eine erfolgreiche Autorin, andererseits jedoch eine verwirrte Frau, die sich im Alltag nur mühsam mit Hilfe von Zetteln zurechtfindet. Diesen Charakter fand ich daher sehr gut ausgearbeitet und lesenswert.
Verwirrend fand ich Paul Bremer und die Darstellung seiner Beziehung zu Anne in Form von SMS Bruchstücken. Seine Erzählpassagen hemmten meiner Meinung nach den kompletten Erzählfluss und hätten sicherlich mehr Potenzial gehabt.
Ich könnte mir gut vorstellen, dass der Charakter des Giorgio DeLange auch in weiteren Büchern ausgebaut wird. Von ihm würde ich gerne mehr lesen.
Insgesamt fand ich den Roman zu konstruiert und abgehackt um wirkliche Spannung aufzubauen. Schade – hier ist die Chance entgangen aus einer guten Story auch ein gutes Buch zu machen.






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Donnerstag, 8. November 2012

Jens Johler: Kritik der mörderischen Vernunft

Bewertung: *****

Fünf Jahre nach "Gottes Gehirn" gibt es ein Wiedersehen mit Troller und Jane. Beide arbeiten weiterhin für das Wissenschaftsmagazin Fazit in Berlin und zuweilen an gemeinsamen Artikeln. Privat sind sie nun ein Paar, doch zu einer gemeinsamen Wohnung konnten sie sich bisher nicht durchringen.
Während Jane als Gerichtsjournalistin am Fall des "Erlösers" in London tätig ist, erhält Troller mysteriöse E-Mails einer Person, die sich selber mit dem Namen Kant betitelt. In den E-Mails wird die Nacht der praktischen Kritik angekündigt, die sich in der Ermordung des Hirnforschers Professor Ritter zeigt. Am Tatort hat der geheimnisvolle Kant ein Zitat aus Trollers Buch "Terror der Wissenschaft" zurückgelassen.
Doch dieser Todesfall ist erst der Anfang von Kants Kritik. Weitere Wissenschaftler werden angegriffen oder getötet. Aber wer ist Kant und wieso hält er Kontakt zu Troller?
Meine Meinung:
"Kritik der mörderischen Vernunft" ist ein Nachfolger von "Gottes Gehirn". Die Bücher sind jedoch inhaltlich voneinander gelöst. Dies wird noch verstärkt durch den geschickten Schachzug des Autors, das erste Buch innerhalb des zweiten Buchs auftauchen zu lassen. Es wird klargestellt, dass die Darstellung von Troller und Janes Recherchereise in "Gottes Gehirn" die Science-Fiction Umsetzung eines Autoren Duos ist. Somit kann "Kritik der mörderischen Vernunft" völlig unabhängig von den vorherigen Ereignissen agieren und einen sehr viel direkteren Bezug zur Gegenwart herstellen.
"Kritik der mörderischen Vernunft" ist eins meiner Highlights des Jahres 2008.
Obwohl das Buch nicht in der Ich-Perspektive geschrieben ist, baut sich ein sehr vertrautes Verhältnis zwischen den Protagonisten und dem Leser auf. Durch Einblicke in die Gefühlswelt der Figuren ist es gut möglich, sich in die Geschichte hineinzuversetzen.
Orientiert am aktuellen Weltgeschehen, werden Verbindungen geknüpft und Möglichkeiten aufgezeigt, die auf eine sehr fundierte Recherchearbeit hindeuten. Die mit dem Buch vermittelten Thesen bezüglich der Zusammenarbeit von Unternehmen, Wissenschaftlern und politischen Interessen halte ich für durchaus möglich. Gleichzeitig wird hier jedoch auch mit den Ängsten der Leser gespielt, denn wer hat sich nicht schon mal Gedanken darüber gemacht, was der Normalbürger überhaupt von den Vorgängen hinter den politischen und wirtschaftlichen Kulissen mitbekommt.
Da in "Kritik der mörderischen Vernunft" jedoch die wissenschaftlichen Erkenntnisse geschickt mit kriminalistischen Ermittlungen, sowie philosophischen Grundfragen verknüpft werden, ergibt sich ein stimmiges und sehr unterhaltsames Gesamtbild.
Die Hauptfiguren kommen sehr sympathisch rüber, trotz der einen oder anderen Charakterschwäche. Auch die Nebenfiguren sind gut ausgearbeitet.
Die Handlung findet zum größten Teil in Berlin und London statt, jedoch haben auch einige andere Deutsche Städte ihren Auftritt. Der Roman ist schlüssig, wirkt jedoch nicht zu konstruiert.
Die Sprache ist flüssig und die wissenschaftlichen und philosophischen Aspekte werden gut erläutert.
Ebenfalls gut gewählt finde ich den Titel, da die Neugier des Lesers geweckt wird.
Ich hoffe sehr, dass noch eine Fortsetzung mit Troller und Jane folgt.


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Mittwoch, 7. November 2012

Joel Haahtela: Sehnsucht nach Elena

Bewertung: *****

Ein alter Mann berichtet in der Art eines Tagebuchs von seinen Begegnungen mit einer jungen Frau.
Angefangen mit der ersten zufälligen Begegnung im Park, versucht er mehr über diese Frau heraus zu bekommen. Er beobachtet sie täglich, bringt ihren Namen -Elena- in Erfahrung und folgt ihr bis nach Hause. Jede dieser kleinen Begegnungen ist ihm eine Erwähnung wert.
Doch was steckt hinter seiner Faszination für diese junge Frau?

"Sehnsucht nach Elena" ist ein Buch von gerade einmal 152 Seiten, die teilweise auch nur zur Hälfte beschrieben sind. Die ersten 120 Seiten handeln von den Begegnungen mit Elena, bzw. der Suche nach ihr. Meine erste Reaktion auf dieses Buch war daher etwas enttäuschend, da ich in der Handlung keinen wirklichen Verlauf, sondern eher Eintönigkeit sah.
Doch die letzten 30 Seiten haben einen ganz anderen Klang.
Der Leser wird eingeweiht in das Geheimnis um die Sehnsucht nach Elena.
Durch diese Offenbarung bekommen auch die ersten 120 Seiten einen ganz anderen Geschmack.
Vormals hatte die Geschichte eines alten Mannes, der ein junges Mädchen beobachtet, einen ziemlich faden Beigeschmack für mich. Doch Elena ist eigentlich nur ein Synonym für die Vergangenheit und so gewann auch die Geschichte für mich eine andere Bedeutung.
Ich kann daher nur jedem Leser empfehlen, dieses Buch bis zum Ende zu lesen und nicht vorher mangels Spannung oder Abwechslung aufzugeben.
Joel Haahtela findet schöne Worte für das was wir eigentlich täglich vor Augen haben. Sei es die einfache Beschreibung eines Schmetterlings an einem Sommertag, oder auch den Schnee der Stille über die Stadt bringt. Gleichzeitig scheinen diese Beschreibungen jedoch auch Symbole für den Gemütszustand des alten Mannes zu sein und so wird man sicherlich auch noch bei einem erneuten lesen des (leider sehr dünnen) Buchs noch Neues entdecken können.
Wer stille Geschichten mag, wird hier sicherlich ein neues Lieblingsbuch gefunden haben.

Und hier kann man das Buch kaufen: Joel Haahtela: Sehnsucht nach Elena

Dienstag, 6. November 2012

Hitomi Kanehara: Obsession

Bewertung: *****

Rin ist Schriftstellerin.
Mit 23 Jahren erhält sie den Auftrag eine erfundene Autobiographie zu schreiben.
Doch kein Roman kann so abwegig sein, wie ihr eigenes Leben. In umgekehrter chronologischer Reihenfolge werden Episoden aus ihrem bewegten Liebesleben und den vier ernsthaften Beziehungen in ihrem noch jungen Leben wiedergegeben.
Ihr Ehemann Shin, den sie mit 22 Jahren heiratet. Ihre Beziehung zum Musiker Sha im Alter von 18 Jahren. Ihr Freund Gato mit 16 Jahren und schließlich ihr erster fester Freund Nyanko, als sie 15 Jahre alt ist.

Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt ein so schlechtes Buch gelesen habe.
Ich empfand die 220 Seiten als quälend lang und habe versucht durchzuhalten in der Hoffnung, dass mir am Ende klar sein würde, wie sich Rin zu einem solchen Menschen entwickeln konnte.
Doch diese Offenbarung tritt leider nie ein. Genauso wenig, wie eine positive Reflexion der Rückblicke.
Ein Mensch, der schon in seiner Kindheit von Gewaltphantasien heimgesucht wird, mit 15 Jahren nur noch vor den Trümmern seiner Jugend steht und schließlich mit 22 Jahren voller Selbstzweifel ist und ein von Paranoia getriebenes Leben führt, kann mir einfach nur leid tun.
Freude an diesem Buch können meiner Meinung nach eigentlich nur voyeuristisch veranlagte Personen oder Hobbypsychiater haben. Eine Anzahl von Diagnosen für Rins gestörte Persönlichkeit dürfte sicherlich leicht zu finden sein. Vielleicht gibt dieses Buch jedoch auch so manchem Leser Hoffnung, dass es immer noch jemanden gibt, der schlechter dran ist als man selbst.
Einen glücklichen Eindruck macht Rin zu keinem Zeitpunkt des Romans. Ihre Identifikation scheint nur über ihre jeweiligen Männer stattzufinden.
Mir ging Rins ewiges Gejammer, ihre Selbstzweifel und ihre Oberflächlichkeit jedenfalls gehörig auf die Nerven. In ihren Beziehungen steigert sie sich in einen regelrechten Wahn und sollte es einmal nichts Negatives zu finden geben, so wird es ihr schon gelingen, dass Positive umzudeuten.
Dazu kommt noch die teilweise sehr vulgäre Sprache und die inneren Dialoge zwischen Rin und ihren Genitalien, die mir jedes Lesevergnügen genommen haben.
Der Titel "Obsession" scheint mit gut gewählt, besonders wenn man ihn im Sinne von "Zwangsvorstellung" versteht. Die rote Farbe des Bucheinbands und das Cover passen ebenfalls gut zum Inhalt.
Sollte dieses Buch einen echten autobiographischen Bezug haben, so kann ich nur eins sagen: Bitte, bitte Hitomi Kanehara, lassen Sie sich helfen und begeben sich in ärztliche bzw. psychologische Betreuung!


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Montag, 5. November 2012

Emma Hamberg: Landliebe gesucht

Bewertung: *****

Marie hat ihr Leben im Griff. Sie ist gut aussehend, taff und arbeitet als Barchefin in Stockholm.
Asa ist finanziell unabhängig, erfolgreich im Job und glücklich verheiratet.
Lena hat sich früh den Wunsch nach Kindern erfüllt und wollte schon immer eine große Familie haben. Jetzt lebt sie mit vier Kindern und Mann im eigenen Haus.
Das einzig gemeinsame das diese drei Frauen haben, ist ihre Familie – sie sind Schwestern.
Doch auf der Geburtstagsfeier von Hampus, Lenas Jüngstem, sind erst Risse im heilen Gefüge der Schwestern zu erkennen.
Lena kann die Fassade der glücklichen Mutter und Hausfrau nicht weiter aufrecht erhalten. Sie bricht unter dem Druck zusammen. Doch niemand aus der Familie erkennt ihre stillen Hilferufe. Als schließlich auch noch Rolf, der Vater der Schwestern überraschend stirbt, lässt Lena alles hinter sich. Sie verlässt ihren Mann und ihre Kinder.
Konfrontiert mit den Problemen ihrer Schwester und wachgerüttelt durch den Todesfall in der Familie, gerät nun auch das gewohnte Leben von Asa und Marie aus den Fugen.
Wie wird nun die Zukunft der Schwestern aussehen und welche weiteren Schicksalsschläge müssen sie noch verkraften?


Anhand des Titels hatte ich "Landliebe gesucht" schnell in die Schublade "triviale Frauenliteratur" gepackt. Das wird dem Buch jedoch absolut nicht gerecht. Es geht weniger darum eine Liebe zu finden, sondern eher den Weg zurück zu den eigenen Wurzeln und der Familie. Meiner Meinung nach, wäre daher der Originaltitel "Brunstkalender" passender gewesen (die Zusammenhänge klären sich im Buch) und zudem hätte er sicherlich auch mehr die Neugier potenzieller Leser geweckt.
Einige Schwierigkeiten hatte ich mit der schwedischen Währung und den schwedischen Begriffen im Text. Ich hätte es schön gefunden, wenn für die deutschen Leser ein kleiner Glossar oder Fußnoten vorhanden gewesen wären.
Die Einblicke in schwedische Traditionen ("Sandwichtorten") und die unterschiedliche Sichtweise der Schwestern auf Land und Leute empfand ich als sehr interessant.
Insgesamt war das Buch tiefgründiger als ich erwartet hatte. Hier wird keine heile Welt vorgegaukelt und alle Probleme lösen sich zum Ende in Wohlgefallen auf. Die anfangs so harmonische Welt der Schwestern zerbröckelt. Was sie jeweils für die Erfüllung ihres Traums gehalten haben, entwickelt sich immer mehr zum Albtraum. Doch wie entkommt man einem Albtraum den man selbst geschaffen hat? "Landliebe gesucht" bietet keine Lösung für jedes Problem, doch am Ende ist klar, dass jedes Problem kleiner wird, wenn man eine Familie hat die hinter einem steht. Symbolisch entwickelt sich der Sonnenschein zu Anfang rasch zu einem heftigen Gewitter. Das Buch endet mit dunklen Wolken am Himmel, doch es blitzen schon wieder die ersten Sonnenstrahlen durch. Der Rest bleibt der Phantasie der Leser überlassen.
Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass Emma Hamberg den drei Schwestern vom Solvändan Hof ein weiteres Buch widmet.





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