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Samstag, 12. November 2016
Charlotte Lucas: Dein perfektes Jahr
Inhaltsangabe des Verlages:
Was ist der Sinn deines Lebens? Falls Jonathan Grief jemals die Antwort auf diese Frage wusste, hat er sie schon lange vergessen.
Was ist der Sinn deines Lebens? Für Hannah Marx ist die Sache klar. Das Gute sehen. Die Zeit voll auskosten. Das Hier und Jetzt genießen. Und vielleicht auch so spontane Dinge tun, wie barfuß über eine Blumenwiese zu laufen.
Doch manchmal stellt das Schicksal alles infrage, woran du glaubst ...
Es gibt Bücher, das weiß man schon wenn man sie das erste Mal in der Hand hält, dass sie einem gefallen werden. Genau so war es bei mir mit "Dein perfektes Jahr" von Charlotte Lucas. Das Buch ist einfach wunderschön aufbereitet, mit Lesebändchen, violett gefärbtem Seitenschnitt und abgerundeten Kanten.
Zunächst dachte ich, dass ich von dieser Autorin noch nichts zuvor gelesen hätte, da mir ihr Name unbekannt war. Es handelt sich hier jedoch um das Pseudonym der Autorin Wiebke Lorenz, die unter dem Namen Anne Hertz auch gemeinsam mit ihrer Schwester schreibt.
"Dein perfektes Jahr" wird abwechselnd aus den Perspektiven von Hannah und Jonathan erzählt, wobei jedoch der Handlungsstrang von Hannah zunächst zwei Monate vor dem von Jonathan spielt. Im Laufe der Handlung nähern sich die Zeitstrahlen immer mehr an und dem Leser wird klar, welcher Art die Verbindung zwischen den beiden ist.
Am Anfang hatte ich Probleme mit Jonathan warm zu werden, wobei ich es aber auch eher komisch fände, wenn den jemand von Anfang an sympathisch finden würde. Die Figur macht im weiteren Verlauf eine ziemliche Verwandlung durch und so lernt man erst mit der Zeit ihn zu mögen.
Hannah ist zwar ein wenig naiv, hat mir aber ansonsten gut gefallen.
Die große Stärke des Buches liegt für mich ganz klar in der Verkettung der Handlungsstränge. Während die Geschichte am Anfang recht langsam aufgebaut wird und man sich immer wieder fragt, warum sich denn Jonathan und Hannah nicht treffen, ging es mir zum Ende hin fast schon zu schnell.
Insgesamt gesehen hat mir die Idee und Umsetzung sehr gut gefallen.
So habe ich bewertet:
Und hier kann man das Buch kaufen: Charlotte Lucas: Dein perfektes Jahr
Weitere Infos zum Buch und zur Autorin finden sich auf der Homepage des Lübbe Verlages.
Dienstag, 7. Oktober 2014
Andreas Eschbach: Todesengel
Rentner Erich Sassbeck möchte einmal in seinem Leben beweisen, dass auch er weiß was Zivilcourage ist und das man nicht weg sehen darf wenn Unrecht geschieht. Doch an diesem Abend in der U-Bahnstation wird ihm dies zum Verhängnis und die beiden zurecht gewiesenen jungen Männer gehen auf ihn los, statt sich von seinen Worten beeindruckt zu zeigen. Erich Sassbeck sieht sein Ende gekommen, doch plötzlich erscheint ein Engel, erschießt die beiden Angreifer und verschwindet spurlos. Die Polizei zweifelt an dieser Geschichte und sieht vielmehr in Erich Sassbeck den Täter, der mit den unglaubwürdigen Schilderungen seinen Kopf aus der Schlinge ziehen will. Aber es bleibt nicht bei diesem Fall und es kommt zu weiteren Aktionen des schon bald "Todesengel" getauften Rächers. Auch Journalist Ingo Praise geht dem nach und möchte ganz entgegen dem Trend auch den Opfern eine Stimme geben.
"Todesengel" von Autor Andreas Eschbach befasst sich mit den Themen Gewalt, Selbstjustiz und Opfern/Tätern.
Wirklich neutral wirkt der Standpunkt der in "Todesengel" rüber kommt nicht. Für mich stellt dieses Buch jedoch auch keine Grundsatzmeinung dar, sondern einen Ansatz für Diskussionen und einen Denkanstoß für eigene Überlegungen zum Thema.
Sehr gut gefallen hat mir die Figur des Journalisten Ingo Praise, der sich von seinem Beruf immer mehr erhofft hat als reinen Boulevardjournalismus. Er wirkt glaubwürdig und vielschichtig gezeichnet und funktioniert hier auch als Sympathieträger und Meinungsbildner in der Geschichte.
Viele Nebenfiguren und ihre Lebensgeschichten fand ich sehr interessant und fesselnd zu lesen und auch die vielen Dialoge haben mir gut gefallen. Zwar wirkten die Dialoge manchmal hölzern, aber da sie größtenteils als Interviewsituationen geschrieben sind betrachte ich das hier als stilistisches Mittel und nicht als Schreibschwäche des Autors.
Gut fand ich hierbei auch die wechselnde Erzählperspektive zu Figuren die man zunächst im Kontext nicht einordnen kann, deren Rolle jedoch mit zunehmenden Seitenzahlen immer mehr erkennbar wird und deren Verbindungen untereinander auch erst nach und nach zu Tage treten. Gerade diese Verknüpfung der Fäden empfinde ich als Stärke des Autors.
Auch wenn das Buch nach dem "Todesengel" benannt ist, so steht dieser weder bei den Figuren, noch was den eigentlichen Thriller betrifft im Vordergrund. Hauptfigur sind meiner Meinung nach die Opfer täglicher Gewalt und für Spannung sorgt hier vor allem die Realitätsnähe.
Nachdem mir jedoch die ersten 480 Seiten sehr gut gefallen haben, hat das Buch auf den letzten 60 Seiten dann doch noch eine Richtung eingeschlagen, die mir nicht ganz so gut gefallen hat. So hätte es meiner Meinung nach weder enden müssen noch sollen und es wirkte für meinen Geschmack auch zu konstruiert und nicht ganz stimmig zum Rest des Romans. In diesem Buch hätte ich auch wirklich gerne ein Nachwort des Autors gelesen in dem dieser beschreibt wie er auf dieses Thema gekommen ist und wie vielleicht auch seine persönliche Meinung dazu ist.
Empfehlen kann ich "Todesengel" an alle Leser die sich für die Themen Rechtsstaat und Selbstjustiz und kontroverse Sichtweisen interessieren, sowie alle Leser die generell den Schreibstil des Autors mögen.So habe ich bewertet:
Und hier kann man das Buch kaufen: Andreas Eschbach: Todesengel
Weitere Informationen zum Buch und zum Autor findet man auf der Homepage des Lübbe Verlages.
Montag, 3. Dezember 2012
Sarah Lark: Ruf der Dämmerung
"Ruf der Dämmerung" wirbt mit einem fetten Aufkleber auf dem Cover mit der Aufschrift "Das erste Jugendbuch der Bestseller-Autorin". Das halte ich für bewusste Irreführung des Kunden!
Wer es noch nicht wusste: Sarah Lark ist ein Pseudonym einer Autorin, die bereits unter den verschiedensten Namen und in unterschiedlichen Genres veröffentlicht hat. Zum einen hat sie unter dem Namen Christiane Gohl schon sehr viele Pferdebücher für Kinder und Jugendliche veröffentlicht und zum anderen wurde genau dieses Buch "Ruf der Dämmerung" schon unter dem gleichen Titel und Cover, aber unter dem Pseudonym Riana O’Donnell zuvor veröffentlicht. Anscheinend waren die Verkaufszahlen nicht hoch genug, so dass hier noch schnell auf den Erfolgszug "Sarah Lark" aufgesprungen werden soll.
Aber kommen wir zum Inhalt zurück.
Viola wohnt eigentlich in Deutschland, aber als ihre Mutter für einige Monate ins Ausland muss, zieht sie zu ihrem von der Familie getrennt lebenden Vater nach Irland. Alan McNamara bewirtschaftet mit seiner neuen Frau Ainné, die ihr erstes gemeinsames Kind erwartet, einen Campingplatz an einem einsamen See und hier soll nun auch Viola leben. Die Umstellung fällt ihr nicht leicht, doch schon bald hat sie Freunde gefunden. Mit Ponys kann Viola aber nicht viel anfangen und so interessiert sie sich auch nicht für die Wildpferde, die immer wieder am See gesichtet werden. Viel interessanter ist da schon dieser gutaussehende Junge, der unerwartet dort erscheint ...
"Ruf der Dämmerung" bedient sämtliche Stereotypen. Wir haben da die böse Stiefmutter, die Viola immer nur ungerecht behandelt und einen verschusselten Vater, der seine neue Familie auf einen Sockel hebt. Dazu eine pferdeverrückte Freundin und die typischen Sportler-Hinterwäldler in der Schule, die auch in keinem Highschoolroman fehlen dürfen. Den Gegensatz dazu bildet der empfindsame, geheimnisvolle Junge, den Viola am See trifft. Er erfüllt alle ihre Idealvorstellungen von einem Freund.
Die Grundidee des Buchs gefällt mir gut. Vor dem Hintergrund irischer Sagengeschichte wird von der Liebe erzählt, die unerfüllbar bleiben muss, weil die Liebenden nur schwer einen gemeinsamen Ort zum Leben finden können. Die Geschichten von Silkies und Kelpies finde ich dabei besonders faszinierend und durchaus ein Buch wert.
Der Gedanke ein Fabelwesen in eine Liebschaft mit einem Menschen zu verbinden ist nicht neu. Aber was bei anderen Autoren zumindest romantisch gelang, hat für mich Christiane Gohl/Sarah Lark/Riana O’Donnell sehr schwach umgesetzt. Die Dialoge wirken extrem gestelzt und sympathisch wurden mir weder Viola, noch Ahi.
Auch die Nebenfiguren sind leider nicht so ausgearbeitet, dass ich sie mir gut vorstellen könnte. Vieles bleibt an der Oberfläche und hat bei mir nur wenig Neugier erweckt.
Unmöglich finde ich, dass hier eine Hauptfigur mit einem Namen ausgestattet wurde, von dem ich bis jetzt noch nicht weiß, wie ich ihn aussprechen soll (Ainné). Auch eine Recherche im Internet brachte hier keinen Erfolg, so selten ist der Name anscheinend.
Gut gelungen ist dagegen das Cover, das sehr gut die Atmosphäre wiedergibt.
Empfehlen kann ich "Ruf der Dämmerung" weniger an Fantasy-Leser, sondern eher an die Leserinnen von Pferdegeschichten, die auch nichts gegen ein wenig Fantasy haben. Als Zielgruppe sehe ich hier daher die Leserinnen von Christiane Gohl, die sich schon ein wenig zu alt für reine Pferdebücher fühlen (Mädchen von 12 – 14 Jahren) und weniger die Leser der Bücher von Sarah Lark.
So habe ich bewertet:
Und hier kann man das Buch kaufen: Sarah Lark: Ruf der Dämmerung
Jessica Martinez: Virtuosity - Liebe um jeden Preis
Die 17jährige Carmen Bianchi lebt für die Musik. Sie spielt virtuos Geige, wurde eins als Wunderkind gefeiert, hat CDs veröffentlicht und im letzten Jahr einen Grammy für das beste Klassikalbum gewonnen. Das nächste Ziel auf dem Weg zur Profikarriere ist klar: sie muss den nur alle vier Jahre stattfindenden Guarneri Wettbewerb gewinnen. Stolperfallen auf diesem schon fast in Stein gemeißelten Weg gab es bisher nie, doch plötzlich stellt sich Carmen diese in Form des ebenfalls 17jährigen Jeremy King in den Weg ...
"Virtuosity" hat mir sehr gut gefallen. Es ist schön, mal wieder ein Jugendbuch zu lesen, das nicht in die Fantasyschiene fällt.
Zu Anfang fand ich die Geschichte ziemlich vorhersehbar, wenn auch nicht uninteressant. Carmen und ihre Mutter wirkten ziemlich stereotyp und was passierent, wenn sich Jeremy und Carmen persönlich treffen, wird auch kaum einen Leser überraschen. Im Gegensatz zu anderen Büchern machen die Figuren hier jedoch eine wirkliche Entwicklung durch. Als Leser kann man gut nachvollziehen was Carmen durchmacht und wie sie kämpft um ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Ihr Tablettenproblem ist Teil davon, dominiert aber nicht die Geschichte.
Auf das Thema Musik wird sehr intensiv eingegangen, Carmens Empfindungen gut beschrieben und auch einige Zusammenhänge im Geschäft mit der Musik erklärt. Sicherlich wird die klassische Musik nicht alle Leser ansprechen, doch ich denke auch wer damit nicht so viel anfangen kann, ist doch in der Lage Carmens Emotionen nachzuempfinden. Normalerweise betrachte ich die Altersempfehlungen der Verlage immer ein wenig skeptisch. Bei "Virtuosity" sehe ich jedoch keinen Grund dieses Buch nicht auch schon für Kinder (Mädchen) ab ca. 12-13 Jahren zu empfehlen.
So habe ich bewertet:
Und hier kann man das Buch kaufen: Jessica Martinez: Virtuosity - Liebe um jeden Preis
Cat Clarke: vergissdeinnicht
Normalerweise beginne ich meine Rezensionen mit einer kurzen Einleitung zum Inhalt des Buchs. Diesmal möchte ich jedoch darauf verzichten, denn es macht genau den Reiz von "vergissdeinnicht" aus, dass man nicht weiß worauf diese Geschichte hinausläuft. Klar, auch ich habe mich ein wenig über diesen nichtssagenden Klappentext geärgert, aber ich kann nur empfehlen, sich doch einfach von diesem bezaubernden Buch überraschen zu lassen. Warum man das überhaupt tun sollte und was für mich "vergissdeinnicht" ausmacht, darauf gehe ich nun noch ein.
Die Hauptfigur Grace ist keine sehr liebeswerte Figur, sie eckt an, hat Probleme mit sich und ihren Mitmenschen und ist manchmal gemein.
Doch durch diese negativen Seiten bringt Grace auch eine sehr breite Ebene an Gefühlen rüber.
Erzählerin ist hier die 17jährige Grace zum einen in der Gegenwart, in der sie sich fragt was mit ihr geschehen ist und warum sie in diesem weißen Raum ist und zum anderen jedoch auch in Rückblicken, die sie aufschreibt während ihr ihr Aufseher im weißen Raum immer wieder sagt sie soll sich erinnern. Man spürt Graces Verzweiflung über ihren Aufenthalt im weißen Raum und wie sie versucht herauszufinden an was sie sich erinnern soll. Ihre Erzählungen aus der Vergangenheit sind dabei sehr fesselnd und lebensnah.
Ich habe schon versucht dieses Buch Freunden gegenüber zu beschreiben, ohne aber zu viel von der Handlung zu verraten. Das ist hier wirklich schwer, ich würde es noch am ehestens als sehr bewegenden, zeitgenössischen Roman über ein vielschichtiges Mädchen und ihre Auseinandersetzungen mit ihrer Umgebung beschreiben. Ich weiß, das ist jetzt sehr wage gehalten, aber wer dadurch ein wenig neugierig geworden ist, der sollte es einfach selber mal mit "vergissdeinnicht" versuchen. Allerdings ist dieses Buch teilweise auch ziemlich traurig, so dass es nichts für ganz sensible Leser ist.
Empfehlen kann ich das Buch für Leser ab ca. 16 Jahren.
So habe ich bewertet:
Und hier kann man das Buch kaufen: Cat Clarke: vergissdeinnicht
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