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Dienstag, 11. Juni 2013

Ann Aguirre: Die Enklave


Zwei ist in der Enklave College im Untergrund aufgewachsen. Von klein auf wurde ihr beigebracht, dass das Leben an der Oberfläche nicht möglich ist, da die Welt dort zerstört ist. Doch auch im Untergrund ist das Leben alles andere als einfach, die Lebenserwartung beträgt lediglich ca. 25 Jahre und man muss auf der Hut vor den Freaks sein. Die Gesellschaft ist aufgeteilt in Zeuger, Schaffer und Jäger und es gilt viele Regeln zu beachten, da ansonsten Verbannung droht. Zwei wurde zur Jägerin ausgebildet und wird nun dem undurchschaubaren Bleich als Partnerin zugeteilt. Er ist der Einzige in der Enklave der nicht dort aufgewachsen ist, sondern erst später in den Tunneln gefunden wurde. Nun drohen die Freaks die Enklave einzunehmen und Zwei muss sich noch ganz anderen Herausforderungen stellen …


"Die Enklave" von Autorin Ann Aguirre spielt in einer post-apokalyptischen Welt. Die Nachkommen von Überlebenden haben sich zu kleinen Gemeinschaften im Untergrund einer Großstadt zusammen gefunden und niemals die Oberfläche betreten. Jeder hat seine feste Position in der Enklave College und trägt so zum Wohl und Überleben der Gemeinschaft bei. Zwei ist Jägerin und sehr gut fand ich hier, dass sich nicht erst groß mit ihrer Ausbildung etc. beschäftigt wird, sondern die Handlung zu dem Moment einsetzt, als Zwei ihre Ausbildung beendet hat und in die Gemeinschaft der Erwachsenen aufgenommen wird. Aufgrund der hohen Kindersterblichkeit erhält sie auch erst an diesem Tag ihren Namen, der durch eine sehr interessante Zeremonie bestimmt wird.
Ich konnte mir die Figuren sehr gut vorstellen. Im Mittelpunkt steht das Mädchen Zwei, ihr Jagdpartner Bleich und einige Nebenfiguren und Charaktere die erst später dazu kommen. Die Welt in der sie Leben wird gut beschrieben und nach und nach werden Bruchstücke eingestreut, wie das Leben außerhalb der Enklave aussieht und wie es zur Apokalypse kam. Da auch die Figuren unwissend über die genauen Hintergründe sind, fand ich es interessant mit ihnen gemeinsam alles zu entdecken und es ist daher auch zu verschmerzen, dass noch nicht alle Fragen geklärt sind.
Da es sich hier um eine Buchreihe handelt und bald die Fortsetzung "Die Zuflucht" erscheinen wird, hoffe ich auf weitere Puzzleteile in diesem Band. "Die Enklave" ist jedoch in sich abgeschlossen und kann daher auch gut gelesen werden, ohne nägelkauend auf die Fortsetzung zu warten.
Empfehlen kann ich dieses Buch an alle Leser, die Dystopien mögen und noch mal wieder eine andere Konstellation lesen wollen. Sehr schön finde ich hier auch das Taschenbuchformat in der Erstausgabe.

So habe ich bewertet:


Und hier kann man das Buch kaufen: Ann Aguirre: Die Enklave

Sonntag, 28. April 2013

Mara Andeck: Wen küss ich und wenn ja, wie viele?


Lilia ist gerade 16 Jahre alt geworden und schreibt alles was sie erlebt und beschäftigt in ihr Tagebuch. So langsam findet sie, könnte sich auch mal was bei ihrem Liebesleben tun, denn eine 16jährige die noch nie richtig geküsst hat geht doch irgendwie nicht. Als sie für Biologie ein Referat halten soll, entscheidet sie sich für das Thema Fortpflanzung und Balzverhalten im Tierreich. Bei ihren Recherchen bemerkt Lilia, dass sich diese Eigenarten der unterschiedlichen Gattungen doch auch mal gut am Menschen erproben lassen könnten und so nimmt das Chaos seinen Lauf ...

"Wen küss ich und wenn ja, wie viele?" von Autorin Mara Andeck befasst sich hauptsächlich mit einem Thema: Liebe.
Allerdings passiert dies auf so humorvolle Weise, dass sich dieses Buch deutlich von anderen Büchern zum Thema für Jugendliche abhebt. Ich habe mich richtig gut amüsiert, obwohl ich schon lange das Alter der Zielgruppe verlassen habe. Geschrieben ist das Buch als Tagebuch aus der Perspektive von Lilia. Erweitert wird der Leserhorizont allerdings noch durch E-Mails, die ein Freund von Lilia einem erkrankten Klassenkameraden schreibt, um diesen auf dem Laufenden zu halten. Besonders witzig ist hier die Beurteilung einer Situation durch Lilia und die anschließende Schilderung durch die E-Mail von Tom die eine ganz neue Perspektive zeigt. Sehr positiv fällt hier auch die Buchgestaltung auf, denn der Buchrand ist tatsächlich mit kleinen Kritzeleien und Zeichnungen versehen, wie dies vielleicht auch bei einem echten Tagebuch der Fall wäre. O-Ton einer 13jährigen dazu: "Das ist voll cool.".
Lilia wird hier gerade 16 Jahre alt. Allerdings fand ich, dass sie und ihre Freunde ein wenig jünger wirkten, vielleicht eher 14-15 Jahre alt.
Empfehlen kann ich "Wen küss ich und wenn ja, wie viele?" an alle Leserinnen ab ca. 13 Jahren, die das Thema Liebe interessiert und die auch humorvolle Bücher mögen.
Angekündigt ist auch bereits eine Fortsetzung von Lilias Tagebuch.

So habe ich bewertet:


Und hier kann man das Buch kaufen: Mara Andeck: Wen küss ich und wenn ja, wie viele?

 

Samstag, 9. März 2013

Josephine Angelini: Göttlich verliebt

Die Götter sind vom Olymp entkommen, ein Krieg zwischen Göttern und Scions scheint unvermeidbar. Eine schreckliche Prophezeiung kündigt an, dass der Tyrann das Böse mit sich bringt und Helen muss sich immer noch entscheiden zwischen Orion und dem unerreichbaren Lukas. Für alle Kämpfe ist eins das Wichtigste: Zusammenhalt unter den Scions und ihren menschlichen Verbündeten.

Ich habe "Göttlich verdammt" geliebt, ich habe "Göttlich verloren" in kürzester Zeit verschlungen, ich habe "Göttlich verliebt" als schwerfälliger empfunden.
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge blicke ich auf jede vollendete Buchreihe zurück. Einerseits bin ich traurig, nun keine neuen Geschichten mehr von Helen und ihren Freunden zu erfahren, anderseits ist es ein gutes Gefühl einen Abschluss zu haben und die Bücher nebeneinander im Regal stehen zu sehen.
Ich hatte mir viel versprochen von "Göttlich verliebt", so ist das eben, wenn die Vorgänger so überragend sind. Meine Erwartungen konnten nicht ganz erfüllt werden, auch wenn mir das Buch immer noch gut gefallen hat. Aber die Begeisterung der ersten Bücher habe ich leider nicht erlebt und irgendwie fühlt sich die Reihe für mich doch noch nicht ganz fertig an. Es gibt einfach noch zu viele offene Fragen und nicht alle Handlungsstränge wurden für mich zu Ende erzählt. Insbesondere die Nebenfiguren kamen mir hier zu kurz und diese waren es doch, die mich vom ersten Band an besonders fasziniert hatten.
Auch der Einstieg in "Göttlich verliebt" viel mir etwas schwerer als erwartet. Ich habe dann doch noch mal ein paar Passagen aus dem zweiten Buch nachlesen müssen, um nicht ganz den Faden zu verlieren und auch der Spannungsbogen war für mich zu Anfang noch nicht richtig spürbar.
Die Entwicklung der Figuren fand ich teilweise sehr überraschend und in Helens Fall nicht ganz das was ich mir gewünscht hätte. Toll fand ich die Verbindung zu den handelnden Personen in Troja und es machte mir Spaß schon vorher zu überlegen, wer wohl wem ähnelt. Hilfreich ist dafür der Glossar hinten im Buch, sofern man ihn denn bemerkt bevor man mit Lesen durch ist.
Für alle Leser der ersten Bücher ist „Göttlich verliebt“ Pflichtlektüre, doch empfehlen kann ich dieses Buch besonders denjenigen Lesern ab ca. 14 Jahren, die sich für die Ereignisse in Troja interessieren.
Am nächsten Wochenende werde ich eine Lesung zu diesem Buch mit Autorin Josephine Angelini besuchen und dann natürlich auch in meinem Blog darüber berichten. Ich hoffe, dass dort noch einige Fragen geklärt werden und es vielleicht auch Auskunft dazu gibt, ob die Autorin geplant hat die Trilogie zu einer Tetralogie zu machen.

Hier ist noch ein Bild der Bücher in meinem Regal. Auffällig ist hier, dass der Dressler Verlag zwar die Farben gut aufeinander abgestimmt hat, jedoch das Logo am unteren Rand des Buchrückens verändert hat, so dass die Reihe leider nicht einheitlich ist. Das ist sehr schade.


So habe ich bewertet:


Und hier kann man das Buch kaufen: Josephine Angelini: Göttlich verliebt

Weitere Informationen zur Autorin und der Reihe erhält man auf der Seite zur Göttlich-Trilogie des Dressler Verlages.
Hier gibt es auch Leseproben zu den Büchern.

Montag, 17. Dezember 2012

Jussi Adler-Olsen: Verachtung


"Verachtung" ist der vierte Teil der Reihe rund um Carl Mørck und sein Team.
Die bisherige Reihenfolge lautet:
- Erbarmen
- Schändung
- Erlösung
- Verachtung
Im Jahr 1987 sind in einem kurzen Zeitraum fünf Menschen als vermisst gemeldet worden und auch bis 2010 nicht wieder aufgetaucht. Carl Mørck und sein Team glauben nicht an einen Zufall und setzen nun alles daran, die Verbindungen zwischen den Vermisstenfällen zu entdecken. Parallel gewinnt eine neue Partei in Dänemark immer mehr an Macht und setzt auf rechtspopulistische Parolen. "Klare Grenzen" und ihr Gründer Curt Wad unterscheiden in lebenswertes und unwertes Leben. Gibt es hier einen Zusammenhang mit dem Ermittlungsfall?

"Verachtung" hat es wieder geschafft! Ich war gerne mit dabei, wenn Carl, Assad und Rose in alten Fällen rumkramen und Verbrechen ans Tageslicht bringen, die schon längst vergessen scheinen. In gewohnt stetiger Qualität liefert Jussi Adler-Olsen hier nun auch den vierten Fall ab und weiß zu fesseln.
Der Autor nimmt sich einem dunklen Kapitel der dänischen Geschichte an. Über lange Jahre hinweg wurden junge Frauen Zwangssterilisiert, weil ihre Kinder als unwertes Leben angesehen wurden. Zum Teil hing dies mit der Abstammung der Frauen, ihrem Geisteszustand oder ihrem liederlichen Lebenswandel zusammen. Eine dieser Frauen ist Nete Hermansen, deren Leben in Rückblicken erzählt wird. Gerade diese Abschnitte fand ich besonders interessant. Das Zusammenspiel von Carl, Assad und Rose ist sehr unterhaltsam und ich habe mich gefreut wieder ein paar Details mehr aus dem Leben der durchgeknallten Rose und dem geheimnisvollen Assad zu erfahren. Auch Carls Privatleben blickt immer wieder durch und lockert die Ermittlungsarbeit auf.
Nicht allen Lesern wird hier gut gefallen, dass die Auflösung und viele Zusammenhänge praktisch von Anfang an feststehen und in den Rückblenden nur noch die Details geliefert werden. Groß überraschen kann "Verachtung" daher nicht. Es lässt den Leser eher etwas erschüttert zurück über die menschenverachtenden Zustände und dem, was den Figuren angetan wurde. Aber mir hat gerade diese emotionale Komponente gut gefallen.
Empfehlen kann ich "Verachtung" daher zum einen den Lesern die die Reihe weiter verfolgen wollen, aber auch Lesern, die bisher noch kein Buch der Reihe gelesen haben, aber gerne in Bücher einsteigen wollen, die nicht auf blutige Kriminalfälle setzen, sondern auf die Geschichte hinter den Fällen.

So habe ich bewertet:


Und hier kann man das Buch kaufen: Jussi Adler-Olsen: Verachtung

Sonntag, 2. Dezember 2012

Jussi Adler-Olsen: Das Alphabethaus


Zwei britische Piloten werden während des zweiten Weltkrieges über Deutschland abgeschossen. James und Bryan überleben den Absturz, doch wenn sie entdeckt werden, dann droht ihnen der Tod oder Kriegsgefangenschaft. Sie schaffen es, sich in einen Lazarettzug zu schmuggeln und geben sich dort als Patienten aus. Doch erst als sie an ihrem Ziel ankommen bemerken sie, dass es sich um Patienten mit psychischen Störungen handelt. Im "Alphabethaus" bleiben ihnen nur zwei Möglichkeiten, simulieren oder fliehen ...

"Das Alphabethaus" ist das Erstlingswerk des Dänen Jussi Adler-Olsen aus dem Jahre 1997. In Deutschland ist der Autor durch seine Thriller-Reihe rund um den Ermittler Carl Mørk bekannt geworden. Mit dieser hat "Das Alphabethaus" aber so überhaupt nichts zu tun. Seinem Erfolg hat es Jussi Adler-Olsen zu verdanken, dass es nun auch sein erstes Buch zur Veröffentlichung in Deutschland gebracht hat und ich frage mich, worum das nicht schon lange vorher passiert ist. Die Handlung bietet sich geradezu an für eine deutsche Leserschaft, spielt doch ein Großteil der Geschichte zur Zeit des zweiten Weltkriegs in Deutschland.
"Das Alphabethaus" ist die Art von Buch die ein Thriller ursprünglich mal war, bevor sich nur noch Serienmörder in der Genrelandschaft tummelten: ein Spannungsroman.
Spannung hat das Buch auf jeden Fall zu bieten, allerdings wird dies trotzdem nicht jedermanns Geschmack treffen. Auch wenn es sich hier nicht um einen Kriegsroman handelt, so ist der Krieg doch einer der Protagonisten und lässt sich nicht wegdenken. Vielmehr ist dies jedoch noch eine Geschichte von zwischenmenschlichen Beziehungen, oder wie es der Autor im Nachwort ausdrückt von "menschlichem Versagen" und "Schuld".
Deutschland im Krieg und die Nachkriegszeit (ein weiterer Abschnitt des Buchs spielt im Jahre 1972) werden hier jedoch von außen betrachtet, von einem dänischen Erzähler und aus britischer Perspektive. Natürlich kommen da nicht unbedingt alle Deutschen als Gutmenschen davon, doch diese kritische Betrachtung, die dennoch Lichtblicke bietet, ist bei mir gut angekommen.
Sein Wissen über psychiatrische Einrichtungen und die Behandlungen von psychiatrischen Störungen bezieht Jussi Adler-Olsen dabei aus erster Hand. Als Sohn eines Psychiaters ist er selber in unmittelbarem Umfeld solcher Einrichtungen aufgewachsen und konnte beobachten welche oft skurrilen Behandlungsmethoden hier Anwendung fanden.

Insgesamt gesehen hat mich das Schicksal von James und Bryan tief bewegt. Einen kleinen Abzug erhält das Buch von mir nur, weil es mir ab dem Moment in dem klar war was aus James geworden ist, doch ein wenig zu abgedreht wurde. Die klare Sprache der vorherigen 450 Seiten wäre mir hier lieber gewesen.
Empfehlen kann ich "Das Alphabethaus" uneingeschränkt an alle die einen historischen Spannungsroman zu schätzen wissen und mit Schilderungen aus Kriegsjahren keine Probleme haben.


So habe ich bewertet::




Und hier kann man das Buch kaufen:  Jussi Adler-Olsen: Das Alphabethaus

Jussi Adler-Olsen: Erlösung


Eine Flaschenpost, geschrieben mit menschlichem Blut gibt den Ermittlern Rätsel auf. Nach Jahren der falschen Lagerung sind nur noch Bruchstücke des Textes zu erkennen, doch klar ist, dass es sich hier um einen Hilferuf handelt. Doch wer braucht Hilfe und wo ist diese Person zu finden? Carl Mørck und das Sonderdezernat Q sind die Anlaufstelle für aussichtslose Fälle und so landet die Flaschenpost natürlich bei ihnen. Doch können Carl, Assad und Rose wirklich herausfinden was es damit auf sich hat?

"Erlösung" ist der dritte Band der Reihe rund um das Sonderdezernat Q, die mit "Erbarmen" und "Schändung" ihren Anfang fand.
Für mich ist immer noch der erste Band der Reihe der Beste, doch Jussi Adler-Olsen kann hier schon fast an den Erfolg anknüpfen.
Neben dem eigentlichen Kriminalfall rücken immer mehr die Figuren in den Vordergrund. Carl Mørck ist verschroben wie gewohnt, Assad wird immer geheimnisvoller und wird hoffentlich bald seine Vergangenheit lüften und Rose wird nun auch noch von ihrer durchgeknallten Zwillingsschwester Yrsa vertreten.
Der Altfall den das Sonderdezernat diesmal auf den Tisch bekommt, besteht aus einer vergessenen Flaschenpost. Da der Text nur bruchstückhaft erhalten ist, besteht hier die Ermittlungsarbeit teilweise auch aus einem Buchstabenpuzzle. Hierbei hat der Leser den Vorteil, dass durch einen Prolog bereits die Hintergründe des Briefes bekannt sind und so auch die fehlenden Wörter schnell erklärt sind. Doch die Identität des Schreibers ist nicht klar und so ist es spannend mitzuerleben, wie sich nach und nach die ganze Geschichte zu einem Ganzen ergibt und der Fall plötzlich viel komplexer und aktueller ist als erwartet.
Insgesamt gesehen kann ich "Erlösung" an alle Thrillerleser empfehlen, für die es nicht blutig hergehen muss und die mehr Freude an Ermittlungsarbeit und skurrilen Figuren haben.

So habe ich bewertet:




Und hier kann man das Buch kaufen:  Jussi Adler-Olsen: Erlösung

Daniel Annechino: Leise stirbst Du nie

Bewertung: *****
 
Sami Rizzo arbeitet bei der Mordkommission in San Diego, wo sie von einem Serienmörder außer Atem gehalten wird. Der Täter hat es auf Mütter und ihre Kinder abgesehen, wobei er die Mütter grausam foltert und hinrichtet, die Kinder jedoch anschließend in einem Einkaufszentrum aussetzt. Schon schnell ist klar, dass sie es hier mit einem religiös motivierten Mörder zu tun haben. Doch auch Rizzo selber hat eine kleine Tochter und passt so ganz ins Beuteschema ...

"Leise stirbst Du nie" weist eine Besonderheit auf, denn bereits ganz zu Anfang wird aus der Perspektive des Mörders erzählt und so auch schon früh seine Identität aufgedeckt. Die Spannung wird daher nicht dadurch erzeugt, dass der Leser mit rät wer der Täter ist, sondern durch die Unwissenheit der Ermittlerin Sami Rizzo aus deren Perspektive ebenfalls erzählt wird.
Die große Schwäche des Thrillers ist jedoch, dass keine wirkliche Ermittlungsarbeit stattfindet, sondern vieles auf Zufällen und Ahnungen beruht. Dazu kommt noch, dass hier mal wieder sämtliche Klischees in Bezug auf Polizeiarbeit bedient werden. Sami wird als oberschlau beschrieben, die mit Leichtigkeit ihre männlichen Kollegen übertrumpft, verhält sich dafür aber ziemlich dumm und naiv.
Die Beschreibung der Folterungen und Tatorte fand ich in dieser Form unnötig für die Handlung und eher wie Effekthascherei.
Insgesamt gesehen ist "Leise stirbst Du nie" ein Buch, das wenig Eindruck bei mir hinterlassen hat. Ein spannender Thriller darf für mich nicht so vorhersehbar sein und insbesondere dürfen sich die Ermittler nicht so dämlich anstellen, dass man nur den Kopf schütteln kann.
Gelungen finde ich das Cover mit dem Handabdruck. Beim Titel soll es sich um ein Zitat des Mörders aus dem Buch handeln, das jedoch korrekt "Leise sterben sie nie" heißt.



Und hier kann man das Buch kaufen:  Daniel Annechino: Leise stirbst Du nie

Gilbert Adair: Buenas Noches, Buenos Aires

Bewertung: *****

Der junge Gideon träumt von einem Leben fern der Kleinstadt aus der er stammt. Er nimmt einen Lehrauftrag an der Berlitz School in Paris an und entdeckt dort die homosexuelle Szene.

"Buenas Noches, Buenos Aires" ist die Art von Buch, die ich mir niemals freiwillig gekauft hätte. Aber ich habe es geschenkt bekommen und sah es dann auch irgendwie als meine Pflicht an es zu lesen. Zum Glück ist es ein wirklich dünnes Buch, sehr viel mehr hätte ich davon auch nicht mehr ausgehalten. Ich kann mich nicht erinnern, schon jemals zuvor ein Buch gelesen zu haben, das ich so sinnlos fand. Es ist weder schön zu lesen, noch unterhält es, oder gibt dem Leser irgendeinen brauchbaren Rat mit auf dem Weg. Ganz im Gegenteil verbreitet dieses Buch auch noch gefährliche Ignoranz gegenüber einer schlimmen Krankheit.
Gilbert Adair verbreitet hier doch tatsächlich die Theorie, dass man Aids haben muss, um in der Homosexuellen Gesellschaft „dazu“ gehören zu können. Kondome werden abgelehnt, erste Symptome mit Stolz bemerkt.
Wer das tatsächlich glaubt, der hat sicherlich noch ganz andere Probleme. Mal ganz abgesehen davon, dass ich als heterosexuelle Frau durch "Buenas Noches, Buenos Aires" mehr von möglichen Sexualpraktiken erfahren habe, als ich gerne wissen wollte. Und ich rede hier nicht von ansprechenden erotischen Szenen, sondern von rohen und teilweise brutalen Handlungen.
Wer sich gerne darüber informieren möchte, wie die Anfänge von Aids in der homosexuellen Szene aufgenommen wurden und wie eine einzelne Betrachtungsweise auf diese Epoche aussieht, für den mag vielleicht auch dieses Buch etwas sein, vorausgesetzt man schreckt vor Banalität und grober Sprache nicht zurück.



Und hier kann man das Buch kaufen:  Gilbert Adair: Buenas Noches, Buenos Aires

Samstag, 1. Dezember 2012

Josephine Angelini: Göttlich verdammt


Nantucket – die kleine Insel auf der Helen Hamilton aufgewachsen ist, ist zugleich Segen und Fluch für sie. Einerseits ist dies der perfekte Ort um ein unauffälliges Leben zu führen und andererseits kennt hier jeder jeden uns es ist fast unmöglich nicht bemerkt zu werden. Schon immer hat sich Helen gegenüber ihrer Umwelt verstellt, sich schwächer, kleiner und weniger intelligent erscheinen lassen. Denn das Wichtigste ist ihr, um keinen Preis aufzufallen. Doch warum das so ist, war ihr bisher nicht klar. Mit der Ankunft der Familie Delos auf der Insel ändert sich vieles. Helen empfindet eine unerklärliche Wut gegenüber den Mitgliedern der Familie und besonders Lucas ist ein rotes Tuch für sie. In ihrer Umgebung nimmt sie unheimliche Frauen wahr, die sie dazu antreiben Lucas anzugreifen und auch er scheint diese Stimmen zu hören. Erst die entscheidende Konfrontation bringt die Wende und nun wird sich herausstellen, was das Schicksal wirklich für Helen und Lucas vorgesehen hat.

"Göttlich verdammt" ist der Auftakt einer Trilogie, die sich mit dem Thema griechische Mythologie beschäftigt. Wer hier jedoch direkt an Percy Jackson denken muss, der liegt zwar nicht total, aber teilweise falsch.
Autorin Josephine Angelini kommt aus dem Bereich der Theaterwissenschaften und hat sich auf die Helden der griechischen Mythologie spezialisiert. Dieses Hintergrundwissen ist dem Buch anzumerken, auch wenn hier nicht die Götter selber im Vordergrund stehen, sondern ihre Nachfahren - Scions genannt. Natürlich stimmt hier nicht jedes Detail mit den Geschichtsbüchern überein, doch die Autorin hat eine interessante Geschichte rund um den Mythos des trojanischen Krieges geschaffen. Wer weiß, wie dieser Krieg entstanden ist, wird hier schon die ersten Parallelen erkennen.
Neben Percy Jackson kommt man nicht daran vorbei, auch andere Buchreihen zum Vergleich heran zu ziehen. So erinnert "Göttlich verdammt" teilweise auch an die Bis(s) Bücher, die Fernsehserie Roswell oder die City of Reihe. Klar, da kann man durchaus ein paar Sterne abziehen für die fehlende Innovation, doch mir hat das Buch trotzdem insgesamt so gut gefallen, dass ich die volle Sternenzahl vergebe. Besonders beeindruckt haben mich hier die Figuren, nicht nur Helen und Lucas, sondern auch besonders die Nebenfiguren, wie zum Beispiel Helens Freundin Claire die für einige sehr humorvolle Momente sorgt.
"Göttlich verdammt" ist berechenbar, es bietet wenig echte Überraschungen die man nicht schon aus anderen Büchern kennen würde, doch die Spannung wird gut gehalten und ein Rätsel reiht sich an das nächste, so dass ich als Leser in der Geschichte gefangen war. Josephine Angelini liefert genau die richtige Menge an Information um nicht zu frustrieren, aber auch jüngere Leser nicht zu überfordern.
Dieses Buch gehört zu der Art von Büchern, die bei mir glückliche Seufzer ausgelöst haben, einfach weil es so schön ist die Geschichte zu lesen. Wer bei Bis(s) und Panem dahin geschmolzen ist, der sollte sich auch an "Göttlich verdammt" wagen und sich ein paar schöne Stunden mit einem natürlich viel zu perfekten Liebespärchen gönnen.


So habe ich bewertet:



Und hier kann man das Buch kaufen:  Josephine Angelini: Göttlich verdammt

Freitag, 30. November 2012

Jussi Adler-Olsen: Schändung


"Schändung" ist nach "Erbarmen" der zweite Band aus der Reihe rund um Carl Mörck und sein Sonderdezernat Q des dänischen Autoren Jussi Adler-Olsen.
Nach erfolgreichem Abschluss des ersten Falles für das Sonderdezernat Q ist der Fortbestand gesichert. Gemeinsam mit seinem Assistenten Assad soll Carl auch weiterhin an alten und nicht aufgeklärten Fällen arbeiten. Zur Unterstützung wird ihnen noch die Sekretärin Rose zugewiesen, die ein recht loses Mundwerk hat und ihre frühere Stelle nicht ganz freiwillig aufgegeben hat.
Eigentlich hat die Akte auf Carls Schreibtisch nichts zu suchen, denn im Fall von zwei ermordeten Jugendlichen sitzt schon seit langem ein verurteilter Mörder im Gefängnis, der sich zu den Taten bekannt hat. Doch anscheinend möchte jemand den Fall neu aufgerollt sehen und auch Carl und Assad kommen schnell Zweifel, ob da wirklich die richtige Person im Gefängnis sitzt. Bald ist klar, wer hier noch als Verdächtiger in Frage kommt, aber die Namen sorgen für einige Brisanz. Die Ermittlungen werden von höchster Stelle blockiert, doch so schnell geben Carl und sein Team nicht auf ...

Schon mit "Erbarmen" konnte mich Jussi Adler-Olsen absolut überzeugen. Mit "Schändung" ist ihm eine würdige Fortsetzung gelungen, auch wenn sie meiner Meinung nach nicht ganz an den Vorgänger heran reicht. Die Schuldfrage ist hier recht schnell geklärt, erfährt der Leser doch auch aus Sicht der Verdächtigen von den Ereignissen. Spannend ist jedoch, wie sich das Gesamtbild ergibt und die flüchtige Kimmie sich darin einfügt.
Überzeugen können hier auch die Figuren, wobei für meinen Geschmack etwas zu viel Augenmerk auf die "Bösen" gelenkt wird. Dadurch fällt "Schändung" teilweise auch sehr brutal aus, da nicht nur Tatorte beschrieben werden, sondern die Verbrechen an Mensch und Tier selbst.
Wer jedoch Thriller mag, in denen es ruhig etwas härter zugehen darf, dem kann ich dieses Buch nur empfehlen. Ich bin schon gespannt auf den nächsten Fall für das Sonderdezernat Q.


So habe ich bewertet:








Und hier kann man das Buch kaufen:  Jussi Adler-Olsen: Schändung

Donnerstag, 29. November 2012

Keri Arthur: Die Mondjägerin

Bewertung: *****

Riley Jenson und ihr Zwilligsbruder Rhoan arbeiten für die AfaR (Abteilung für andere Rassen) als Wächter und Assistentin. Auch selber gehören sie nicht der menschlichen Rasse an. Offiziell gelten sie als Werwölfe, in Wahrheit sind sie jedoch Mischlinge aus Werwolf und Vampir, eine sehr seltene Kombination.
Grundsätzlich fand ich es sehr interessant, einmal ein Buch aus Sicht einer (halben) Werwölfin zu lesen. Im Gegensatz zum Blutdurst bei Vampiren, haben sie mit der Mondhitze zu tun, an den Tagen rund um den Vollmond. Ihr Sexualtrieb ist dann unersättlich und muss ausgelebt werden.
Damit fäng jedoch auch das Problem dieses Buchs an. Erotik in der Fantasy verträgt sich eigentlich ganz gut. Die Bücher von Nalini Singh sind dafür ein gutes Beispiel. Doch in "Die Mondjägerin" hat das wenig mit Romance-Fantasy zu tun, da die Sexscenen zum größten Teil nicht in die Handlung integriert sind, Rileys jeweilige Partner auch nur zu diesem Zweck dienen und die Scenen zum Teil noch dazu nicht mal schön zu lesen sind.
Gerettet wird das Buch gerade noch so durch die interessanten Figuren und doch recht neuen Ideen. Aber das reicht für mich nicht aus, die Reihe selber interessant zu machen.
Ich werde nach diesem ersten Band die Buchreihe nicht weiter verfolgen, da ich dann doch lieber zu den Büchern anderer Autoren greife, die für mich ein ausgewogeneres Verhältnis aus Romance und Fantasy bieten.


Und hier kann man das Buch kaufen: Keri Arthur: Die Mondjägerin

Mittwoch, 28. November 2012

Isabel Abedi: Lucian

Bewertung: *****

Ich habe "Lucian" als Hörbuch gehört und es hat mir richtig gut gefallen.
Das war mal wieder ein Hörbuch, bei dem ich jede längere Autofahrt herbeigesehnt habe und auch zu Hause ganz gegen meine Gewohnheit weiter gehört habe. Ich wollte einfach unbedingt wissen wie es weiter geht.
Den Höhepunkt der Geschichte bildeten bei mir die vierte und fünfte der insgesamt sieben CD's. Da war die Spannung am größten und meine Neugier fast unerträglich.
Diese fantastische Liebesgeschichte ist einfach rührend schön und interessant besonders für weibliche Hörer ab 13 Jahren.
Die Idee die hinter "Lucian" steckt fand ich ebenfalls sehr schön und neu. Eine ähnliche Geschichte hatte ich jedenfalls bisher noch nicht gelesen. Die Figuren wirken sehr ausgereift und sowohl Rebecca als auch Lucian sind mir sehr sympathisch. Die Sprecherin Julia Nachtmann war mir bisher noch nicht bekannt, doch sie hat das Hörbuch sehr gut umgesetzt mit passenden Stimmen und einer deutlichen Aussprache.
Wer die Bücher von Isabel Abedi mag, wird auch hier nicht enttäuscht werden.


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Jussi Adler-Olsen: Erbarmen


Merete Lynggaard führt ein scheinbar perfektes Leben: sie ist jung, sieht gut aus und ist eine aufstrebende Politikerin ohne Skandale. Doch von einem auf den anderen Tag verschwindet sie spurlos. Die Polizei geht nach der ergebnislosen Suche von einem Unfall aus und der Fall wird zu den Akten gelegt.
Dieser Fall landet nun auf dem Schreibtisch des Polizisten Carl Moerck, dem - nach einem schlimmen Dienstunfall und Problemen in der Teamarbeit - die Leitung des neuen Sonderdezernats Q übertragen wird. Carl soll in Fällen ermitteln die hoffnungslos erscheinen und so die Aufklärungsquote der dänischen Polizei verbessern. Merete ist nun seit fünf Jahren verschwunden, aber kann es sein, dass sie immer noch am Leben ist? Carl und sein Assistent Assad bringen immer mehr Fehler bei den ursprünglichen Ermittlungen zum Vorschein und verfolgen neue Spuren. Doch werden sie diese neuen Informationen wirklich zu Merete führen?

"Erbarmen" von Jussi Adler-Olsen hat mir ganz hervorragend gefallen.
Im Erzählfluss wechseln sich Episoden zum Entführungsopfer Merete (mit Jahreszahl versehen) und Carl Moerck ab, so dass beide Geschichten parallel fortgeführt werden. Dabei nähert sich Meretes Geschichte zeitlich immer mehr der Gegenwart in der die Ermittlungen des Sonderdezernats Q stattfinden. Der Spannungsbogen wurde dadurch hoch gehalten, da ich als Leser gerne wissen wollte, wie es mit Merete weiter geht.
Die Figuren von Carl Moerck und seinem Assistenten Assad haben mir sehr gut gefallen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, zukünftig noch mehr Bücher mit den beiden zu lesen, die doch sehr unterschiedlich sind, sich jedoch auch prima ergänzen. Schon alleine die Unterschiede in Kultur und Gebräuchen werden noch zu einigen netten Situationen führen. Der als Teewärmer verwendete Samowar hat auch schon diesmal für Erheiterung bei mir gesorgt. Wenn dann noch Assad mit Tempo 100 auf den Kreisverkehr zurast und man sich bildhaft Carl dazu vorstellt, kann ich auch noch im nach hinein über dieses Traumteam schmunzeln.
Auch die Ideen, auf welche Art und Weise gegen Merete erbarmungslos vorgegangen wird, waren für mich neu und sehr interessant. Man merkt, dass der Autor hier einiges an Recherche investiert hat, um den Fall möglichst glaubwürdig zu gestalten.
Mir fällt eigentlich gar nichts ein, was mir an "Erbarmen" nicht gefallen hätte. Da der zweite Band der Reihe schon auf Dänisch erschienen ist, hoffe ich nun, dass es nicht zu lange dauern wird, bis er auch auf Deutsch erhältlich ist. Der Autor Jussi Adler-Olsen hat jedenfalls mal wieder bewiesen, was für Thriller-Leckerbissen noch in den Nordländern auf uns warten.

So habe ich bewertet:








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Anonymus: Das (Hör-)buch ohne Namen

Bewertung: *****

Die kleine Stadt Santa Mondega ist etwas besonderes, denn hier findet alle fünf Jahre eine Sonnenfinsternis statt. Während der letzten Sonnenfinsternis vor fast genau fünf Jahren, kam es zu einem blutigen Massaker, dessen Verursacher der geheimnisvolle Bourbon Kid sein soll. Angeblich soll das "Auge des Mondes" Schutz bieten und so sind nun alle auf der Suche nach diesem Schmuckstück.
Doch vorallem stellt sich die Frage, ob es auch dieses Jahr wieder zu einem Blutbad kommen wird und was der Grund für alles ist.

"Das (Hör-) Buch ohne Namen" ist nichts fürs zartbeseitete.
In Splatter-Manier hangelt sich die Geschichte von einem Blutbad zum nächsten. Obwohl der schwarze Humor deutlich zu erkennen ist, war mir das Gewaltpotenzial hier zu hoch.
Ein echtes Highlight des Hörbuchs ist jedoch der Sprecher Stefan Kaminski, der es meisterhaft versteht, die unterschiedlichsten Rollen beider Geschlechter zu verkörpern.
Wer also gerne Horrorgeschichten mag, gewürzt mit einer Prise Surrealismus, der ist hier genau richtig.


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