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Freitag, 20. März 2015

Ursula Poznanski: Blinde Vögel

Inhaltsangabe des Verlages:
Zwei Tote in Salzburg. Sie stranguliert, er erschossen. Die Tat eines zurückgewiesenen Liebhabers? Aber die beiden scheinen zu Lebzeiten keinerlei Kontakt miteinander gehabt zu haben. Oder täuscht der erste Blick? Das Salzburger Ermittlerduo Beatrice Kaspary und Florin Wenninger ist ratlos. Aber Beatrice mag die Sache nicht auf sich beruhen lassen und verfolgt die Spuren, die die Toten im Internet hinterlassen haben. Auf Facebook wird Beatrice fündig: Beide waren dort Mitglieder in einem Forum, das sich ausgerechnet mit Lyrik befasst. Gedichte werden hier mit stimmungsvollen Fotos kombiniert und gepostet. Ganz harmlos. Ganz harmlos? Bald ahnt Beatrice, dass die Gedichte Botschaften enthalten, die nur wenige Teilnehmer verstehen. Düstere Botschaften, in denen es um Angst und Tod geht. Und dann stirbt eine der Lyrik-Liebhaberinnen ...


Nach "Fünf" ist "Blinde Vögel" der zweite Fall für das Salzburger Ermittlerduo Bea Kaspary und Florin Wenninger. Mit dieser Reihe hat Autorin Ursula Poznanski bewiesen, dass sie nicht nur spannende Romane für Jugendliche schreiben, sondern auch eingefleischte Thrillerleser in ihren Bann ziehen kann. Ich schätze es sehr, wenn bei einem Thriller die Figuren und die Ermittlungen im Vordergrund stehen und nicht nur auf möglichst blutrünstige Szenen gesetzt wird. Spannung ist nicht mit Horror gleichzusetzen, aber viele Autoren scheinen zu denken dass es ohne detaillierte Beschreibungen eines bluttriefenden Tatortes in einem Thriller nicht geht. Frau Poznanski ist da die angenehme Ausnahme und schafft es auch ohne demonstrative Schocker Spannung zu erzeugen und die Leser bei Laune zu halten.
Besonders gut gefallen mir in "Blinde Vögel" die ausgereiften Charaktere. Es ist genug Spielraum da um auch die private Seite der Ermittler nicht zu kurz kommen zu lassen, ohne das dabei aber der Kriminalfall total ins Abseits gerät. Das ist schon ein Balanceakt, da ich zwar immer gerne erfahren will wie es denn so privat bei den Figuren weiter geht, aber ich immer noch einen Thriller lesen will und kein Beziehungsdrama. Die Ermittlungen drehen sich diesmal rund um das Thema Facebook und social media, mit dem speziellen Thema Lyrik. Diese zeitgemäße Umsetzung hat mir gefallen. Dies führt jedoch auch dazu, dass viel Ermittlungsarbeit am Schreibtisch geschieht und das ist eben nicht ganz so spannend wie eine Ermittlung in Wald und Flur. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich persönlich mit Gedichten auch nicht ganz so viel anfangen kann und daher haben die Interpretationen und Zitate in diesem Fall auch nicht meinen Lesegenuss erhöht. Ich fand es jedoch sehr schön, dass noch mehr auf Salzburg und die Umgebung eingegangen wurde um man sich als Leser so alles sehr gut vorstellen konnte. Auch wenn sich für mich nicht immer alles ganz so einfach anhörte, wie die Ermittler ihre Schlussfolgerungen gezogen haben oder auf neue Spuren gestoßen sind, so wurde ich doch bestens unterhalten und das liegt für mich ganz besonders an den sympathischen und lebensnahen Figuren.
Für die nächste Fortsetzung würde ich mir noch mal wieder ein bisschen mehr Spannung abseits des Schreibtisches wünschen, aber empfehlen kann ich auch "Blinde Vögel" an alle Leser für die Figuren und Setting bei einem Thriller ebenso wichtig sind wie der eigentlich Kriminalfall.

So habe ich bewertet:


Und hier kann man das Buch kaufen: Ursula Poznanski: Blinde Vögel

Mittwoch, 16. Oktober 2013

Atze Schröder: Und dann kam Ute


Atze lebt schon seit vielen Jahren im gleichen Haus in Essen. Als nun seine langjährige Nachbarin und Friseurin seines Vertrauens ihren Altersruhesitz auf den Kanaren bezieht, wird die Wohnung unter Atze frei. Die Neue in der Mietergemeinschaft ist die schwangere Waldorfschullehrerin und Vegetarierin Ute, also eigentlich das komplette Gegenteil von Atze. Aber merkwürdigerweise verstehen sich die beiden ausgezeichnet und eine Freundschaft entsteht. Aber ein Atze lässt das mausen nicht und so führen viele Wege vorbei an Ute.

Nun hat er also auch noch ein Buch geschrieben der Atze. "Und dann kam Ute" ist ein Roman in dem Atze die Hauptfigur und der Erzähler ist und natürlich auch als fiktiver Autor in den Fokus rückt. Geschrieben wurde das Buch anscheinend in Zusammenarbeit mit Till Hoheneder und ist inhaltlich vergleichbar mit Atzes sonstigem Bühnenprogramm. Einige der Witze und Szenen sind auch schon aus dem Programm bekannt und wurden nun hier in den Roman integriert. Der eine wird gähnen, wenn er einen bekannten Witz liest und der andere freut sich vielleicht, hier noch mal ein Revival in anderer Umgebung zu erleben.
Ansonsten ist "Und dann kam Ute" eine Mischung aus One-Man Comedy, Liebesroman und erotischer Geschichte, alles mit Original-Atze-Humor, oft unter der Gürtellinie und voller Klischees und Vorurteile. Also so, wie man es von Atze eben kennt. Wer bisher die Witze von Atze nicht mochte, der wird sicherlich auch hier keine Erleuchtung erleben. Für mich persönlich war ein ganzes Buch dann doch ein bisschen zu viel des guten und nach starkem Start kamen für mich dann doch einige Geschichten die ich nicht ganz so witzig fand und die Nudel war dann irgendwann abgenudelt. Eigentlich hätte auf das Cover auch ein großer Aufkleber mit "Dauerwerbesendung" gehört, denn davon gibt es reichlich, was für mich neben dem doch recht hohen Preis für ein relativ dünnes Buch dann eine nicht so gelungene Mischung ergibt.
Uneingeschränkt empfehlen kann ich "Und dann kam Ute" nur an echte Atze Schröder Fans, die auch nach diversen Shows noch nicht genug von ihm bekommen können. Bestimmt ist dann auch das Hörbuch eine Erwähnung wert, denn das wird von Atze persönlich gelesen.

So habe ich bewertet:




Und hier kann man das Buch kaufen: Atze Schröder: Und dann kam Ute

Donnerstag, 14. Februar 2013

Jilliane Hoffman: Argus


Daria DeBianchi arbeitet als Staatsanwältin im Gericht von Miami. Seit vor Jahren die Serienmörder Cupido und Morpheus ihr Unwesen hier trieben ist es ruhiger geworden, doch nun landet ein ungewöhnlicher Mordfall auf Darias Tisch. Eine junge Frau wurde schwer gefoltert und getötet, ein Verdächtiger aufgrund von Indizien verhaftet. Leitender Ermittler ist Manny Alvarez, der mühsam die Spuren zusammen getragen hat. Doch als ein geheimnisvolles Video auftaucht, das eine Verbindung zum aktuellen Fall aufweist, droht die komplette Indizienkette zusammen zu brechen. Hat es Miami erneut mit einem Serienmörder zu tun?

"Argus" gehört zu einer Reihe von Büchern, die ihren Schauplatz in Miami und rund um den Ermittler Manny Alvarez haben. Die ersten beiden Bände sind unter den Titeln "Cupido" und "Morpheus" erschienen.
Ich selber habe diese Bücher jedoch nicht gelesen, da ich auf die Autorin Jilliane Hoffman erst durch das grandiose und von dieser Reihe losgelöste "Mädchenfänger" aufmerksam geworden bin. Ich bin jedoch der Meinung, dass sich "Argus" sehr gut einzeln lesen lässt, da sehr viel Bezug auf die vorherigen Fälle genommen wird und teilweise über längere Strecken hinweg die zurückliegenden Ereignisse erläutert werden. Für mich als Neuling war das sehr gut, ich könnte mir jedoch vorstellen, dass dies für Kenner der Reihe schon zu viel Wiederholung sein könnte.
Die Autorin hat es auch hier geschafft mich zu packen und mit ihrer Geschichte zu fesseln. Dabei ist die Wortwahl und Tatortbeschreibung nicht zimperlich und man muss schon ein sehr dickes Fell haben, um von den beschriebenen Ereignissen nicht entsetzt zu sein. Wer also die Bücher von Jilliane Hoffman bisher nicht kennt und wen detaillierte Beschreibungen von Folter und Mord abschrecken, bzw. wer darüber  nicht hinweg lesen kann, dem möchte ich schon mal direkt abraten. Ich bin auch nicht unbedingt ein Freund von blutigen Beschreibungen, aber hier ließ mich die Spannung drum herum doch dran bleiben. Wogegen ich nach der Lektüre aber einen regelrechten Widerwillen verspüre, ist das amerikanische Rechtssystem, denn bei dem was Verfahrensfehler und Willkür der Beteiligten hier verursachen, kann es einen nur Grausen. Hoffmans Figuren sind nicht unbedingt Sympathieträger. Sie lügen, sie betrügen, sie verüben Selbstjustiz und legen sich den Rechtsstaat so aus wie es Ihnen gerade passt. Das ist schwer zu verdauen und für mich auch kaum zu verzeihen. Dazu gibt es hier noch einige Wendungen in der Handlung, die für mich mehr als überraschend kamen und die ich so weder erwartet noch erwünscht hatte.
Aber einen Leser noch überraschen zu können, nachdem man eigentlich schon fast alles mal gelesen oder gesehen hat, ist auch eine Kunst und da die Autorin es durchaus geschafft hat, mich die ganze Zeit an der kurzen Leine zu halten, ist mein Gesamturteil doch positiv.
Empfehlen kann ich "Argus" daher allen Thriller-Lesern, bei denen es im Roman etwas härter zugehen darf.

So habe ich bewertet:


Und hier kann man das Buch kaufen: Jilliane Hoffman: Argus

Donnerstag, 3. Januar 2013

Robert Lyndon: Der Thron der Welt


Europa im Jahr 1072.
England wurde von den Normannen erobert und ein normannischer Ritter in der Türkei gefangen genommen.
Der griechische Gelehrte Cosmas übernimmt die Aufgabe, die Lösegeldforderung zur Familie des Ritters nach England zu bringen. Der junge Medizinstudent Hero soll ihn begleiten. Doch schon in den Alpen verstirbt Cosmas und überträgt die Aufgabe an seinen Gehilfen. Dieser Aufgabe alleine nicht gewachsen, bittet Hero den anwesenden fränkischen Söldnerritter Vallon um Unterstützung. Vallon ist auf der Flucht und übernimmt es mit Hoffnung auf eine reiche Belohnung die Lösegeldforderung zu überbringen. Doch statt dem Ende der Reise ist dies erst der Anfang und ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

"Der Thron der Welt" wird seine Fans vielleicht eher unter den männlichen Lesern finden, da Falknerei, Schifffahrt und Kampfkunst hier die Hauptthemen bilden.
Aber auch als Leserin konnte ich dem Buch einiges abgewinnen. Lediglich einige Jagd- und Kampfszenen waren mir zu langatmig und wurden daher von mir quer gelesen.
Sehr interessant empfand ich hier die Reise quer durch die damals bekannte Welt. Von Italien nach Frankreich, England, Schottland, Island, Grönland, Norwegen und Russland bis hin in die Türkei, sind ganz unterschiedliche Kulturkreise vertreten und es hat mir viel Spaß gemacht die Route auf der enthaltenen Karte zu verfolgen.
Robert Lyndon erzählt in seinem Romandebüt sehr bildhaft und detailliert, er widmet aber eindeutig seinen Lieblingsthemen mehr Worte, als der Gefühlswelt der Figuren. Ebenso wie die Schauplätze sind auch die Protagonisten ein buntgemischter Haufen. Das bringt Vielfalt, wirkt jedoch nicht immer realistisch. Die Figuren waren mir nicht alle sympathisch, haben aber ihren Teil zur Handlung beigetragen. Es überleben allerdings nicht alle Personen, die einem im Laufe der Geschichte ans Herz gewachsen sind. Wer sich für die Epoche (die Zeit nach der Eroberung Englands durch die Normannen), die Falknerei oder generell Reisen durch das mittelalterliche Europa interessiert, der ist hier richtig. Wer jedoch eine ausgedehnte Liebesgeschichte erwartet, der wird enttäuscht werden.
Empfehlen kann ich "Der Thron der Welt" an alle, die gerne detaillierte historische Romane lesen und insbesondere Lesern, die auch gerne die Bücher von Bernard Cornwell mögen.


So habe ich bewertet:


Und hier kann man das Buch kaufen: Robert Lyndon: Der Thron der Welt