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Mittwoch, 24. Juli 2013

Robert M. Sonntag: Die Scanner

"Die Scanner" von Robert M. Sonntag ist ein Zukunfts-Thriller der aus der Perspektive des fiktiven Autors geschrieben ist. Handlungsort ist eine Großstadt im Jahr 2035.

Die Welt ist vernetzt, Freunde in der virtuellen Welt können über die "Mobril" jede Sekunde mitverfolgen, Informationen sind im Lexi-Ultranetz gespeichert und alles Gedruckte wird für das Ultranetz eingescannt und anschließend verheizt. Rob arbeitet als Buchagent und ist immer auf der Suche nach Lesern, die bereit sind für Bargeld ihre Papierbündel herzugeben. Doch als er auf einer seiner Touren an einen alten Mann gerät der sich nicht von seinem Buch trennen möchte, ist dies der Anfang einer Kette von Ereignissen die Robs Welt auf den Kopf stellen.

 
Für jeden Bücherliebhaber ist "Die Scanner" ein Zukunftsszenario wie es fast nicht schlimmer sein kann. Es gibt kaum noch gedruckte Bücher und neue Bücher geschrieben werden nicht mehr. Zwar gibt es für alle freie Informationen im Ultranetz, doch durch andere technische Entwicklungen ist das geschriebene Wort in den Hintergrund gerückt. Wissen ist Macht - und sich darauf zu verlassen, dass alles Wissen irgendwo gespeichert ist kann gefährlich sein. Die Technik ist nicht weiter unterstützend tätig, sondern kontrolliert den Menschen bis in die letzte Sekunde seines Lebens. Wer "Fahrenheit 451" gelesen hat, dem wird die Grundthematik von "Die Scanner" nicht fremd sein. Doch während das Buch von Ray Bradbury bereits in den 1960er Jahren geschrieben wurde und an manchen Stellen entsprechend antiquiert wirkt, hat Robert M. Sonntag (dabei handelt es sich um ein Pseudonym) die Handlung in ein nach dem heutigen Stand realistisches Zukunftsszenario versetzt. In Zeiten von Google, Facebook und Co. nimmt die Datenvielfalt im Internet immer mehr zu. Das gedruckte Buch wird zunehmend von ebooks abgelöst und so mancher wird insgeheim von einer „Mobril“ statt einem Smartphone träumen. "Die Scanner" kann einen hier ganz schnell auf den Boden der Tatsachen zurückholen und auch ein wenig Angst davor machen, in welche Richtung die technische Entwicklung noch gehen mag. Dieses Buch ist daher nicht nur reine Unterhaltung, sondern auch ein wenig ein Weckruf. Auch wenn es mit 190 Seiten ein wenig knapp ausfällt, konnte mich der Autor mit seiner Welt, seinen Ideen und seinen Figuren überzeugen.

Empfehlen kann ich "Die Scanner" an alle Leser ab ca. 12 Jahren die sich für das Thema Zukunftsvisionen und Gesellschaftskritik interessieren. Ich halte das Buch auch als Unterrichtslektüre ab Klasse 7 für geeignet.

So habe ich bewertet:


Und hier kann man das Buch kaufen: Robert M. Sonntag: Die Scanner

Donnerstag, 30. Mai 2013

Wiley Cash: Fürchtet euch

  


In einer Kirche wird ein Heilungsgottesdienst durchgeführt, bei dem ein Junge ums Leben kommt. Warum musste Christopher sterben und warum möchte niemand erzählen, was in der Kirche geschehen ist? Christophers Bruder Jess leidet besonders unter dem Verlust, die Sonntagsschullehrerin hat das Unglück kommen sehen und der Sheriff versucht Licht ins Dunkel zu bringen.

"Fürchtet euch" von Autor Wiley Cash hörte sich für mich nach der Inhaltsangabe wie ein Krimi/Thriller an. Doch diese Erwartung passt nicht unbedingt zum Buch. Eine Genreeinordnung fällt hier schwer, aber ich würde es am ehesten als Drama bezeichnen. Die Frage warum ein Junge sterben musste steht hier nicht als Kriminalfall im Vordergrund, sondern eher als Sozialstudie. Manchmal begegnet einem das Böse dort, wo man es nicht vermutet und das ist auch in "Fürchtet euch" so. Man könnte sagen, dass hier der Weg das Ziel ist.
Erzählt wird aus drei unterschiedlichen Perspektiven, von einem neun Jahre alten Jungen, über den ca. 60jährigen Sheriff, bis hin zur über 80jährigen Hebamme und Sonntagsschullehrerin. Diese unterschiedlichen Blickwinkel auf die gleiche Situation fand ich sehr interessant. Jedoch dienen diese Handlungsstränge auch ein wenig als Füllmaterial und lenken von den aktuellen Ereignissen ab. Wenn man immer noch denkt hier einen Krimi zu lesen, dann stört das. Geht man jedoch vom Roman/Drama aus, dann sind diese Geschichten Teil der Gesamthandlung.
Insgesamt gesehen gibt es hier jedoch sehr viele unnötige Tote und Leid und solche Bücher sind für mich generell immer sehr schwer nachvollziehbar. Der Schreibstil von Wiley Cash ist durchaus angenehm zu lesen und vermag zu fesseln, aber ich hatte einfach keine Freude beim Lesen und es konnte mich auch nicht so berühren, dass dies dadurch ausgeglichen geworden wäre. Letztendlich ist "Fürchtet euch" ein gutes Beispiel dafür, wozu jegliche Art von Fanatismus und Abhängigkeit führen kann.
Empfehlen kann ich dieses Buch an alle Leser, die sich für das Thema Glauben/Irrglauben interessieren und gerne dramatische Geschichten lesen.

So habe ich bewertet:



Und hier kann man das Buch kaufen: Wiley Cash: Fürchtet euch

Donnerstag, 28. März 2013

Klaus-Peter Wolf: Ostfriesenmoor


Im Moor wird ein Präparat aus menschlicher Haut gefunden. Schnell ist klar, dass es sich hier um die Haut eines vermissten Mädchens handelt und die Polizei beginnt nach den anderen Körperteilen zu suchen. Parallel wird ein Baby aus dem Kinderwagen entführt, während Mutter und große Schwester sich ganz in der Nähe befanden. Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Fällen? Ann Kathrin Klaasen und ihre Kollegen werden mit den Ermittlungen betraut.

"Ostfriesenmoor" ist mein erster Ostfriesenkrimi von Klaus-Peter Wolf. Wahrscheinlich ist das auch mein Hauptproblem mit diesem Buch. Es handelt sich hier bereits um den siebten Band der Reihe.
Die Reihenfolge der Bände lautet:
Ostfriesenkiller
Ostfriesenblut
Ostfriesengrab
Ostfriesensünde
Ostfriesenfalle
Ostfriesenangst
Ostfriesenmoor

Bei "Ostfriesenmoor" habe ich die ganze Zeit darauf gewartet, dass auch mal endlich richtige Ermittlungen beginnen. Die Figuren werden mehr bei ihren Freizeitaktivitäten beschrieben als bei der Arbeit und die Erkenntnisse und Auflösungen ergeben sich hier hauptsächlich durch den Zufall. Abgesehen davon waren mir die Figuren auch nicht sonderlich sympathisch, weshalb ich mich auch nicht so für ihr Privatleben interessiert habe. Verwirrend finde ich die Namensgebung, da manche Personen mit Vornamen und andere mit Nachnamen benannt werden. Vielleicht fehlen mir auch zu viele Informationen aus den Vorgängerbüchern, um die Verbindungen und Eigenarten hier richtig zu deuten. Spannung kam leider keine bei mir auf.
Ich lese eigentlich ganz gerne Regionalkrimis, aber die Ostfriesenreihe schien mir dann doch eher was für echte Fans oder Patrioten zu sein. Orte, Geschäfte, Restaurant und bekannte Ostfriesländer werden reichlich erwähnt und häufig gelobt. Das war mir doch einen Ticken zu übertrieben.
Empfehlen kann ich "Ostfriesenmoor" daher nur an die Leser, die auch die anderen Bücher der Reihe mögen oder Personen die gerne mehr über diese oft verspottete Region Deutschlands lesen möchten und dabei nicht so viel Wert auf den Kriminalfall legen. Der nächste Band der Reihe mit dem Titel "Ostfriesenfeuer" ist bereits in Vorbereitung.

So habe ich bewertet:


Und hier kann man das Buch kaufen: Klaus-Peter Wolf: Ostfriesenmoor

Samstag, 2. März 2013

Arno Strobel: Der Sarg


Im Wald wird ein vergrabener Sarg gefunden, in dem eine Frau lebendig begraben wurde und so qualvoll gestorben ist. Bernd Menkhoff ist aus Aachen zu Kölner Polizei gewechselt und wird mit den Ermittlungen beauftragt.
In Köln lebt auch Eva, die von merkwürdigen Träumen heimgesucht wird. Im Traum ist sie in einem Sarg eingesperrt und sie kann sich nicht befreien. Doch am nächsten Morgen wacht sie mit Verletzungen an den Händen auf. Ist es wirklich ein Traum?

"Der Sarg" von Autor Arno Strobel ist ein spannender Psychothriller, der sich mit der Frage Wahn oder Wirklichkeit auseinandersetzt. Nicht nur die Figuren, sondern auch der Leser ist sich lange nicht im klaren darüber ob hier Dinge im Traum oder in der Realität geschehen. Es ist nicht das erste Buch des Autors das ich gelesen habe und der Autor hat sich hier auch selber die größte Konkurrenz geschaffen. Nach "Der Trakt" und "Das Wesen" liegt für mich die Messlatte sehr hoch. "Der Sarg" braucht sich vor dem Vergleich nicht zu scheuen, aber ganz so mitreißen, wie die davon unabhängigen Vorgänger konnte mich dieses Buch nicht. Das hängt zum Teil auch mit dem Kernthema des Buches zusammen, das mir recht schnell klar war da ich erst vor einiger Zeit ein Buch mit ähnlicher Thematik gelesen hatte. Inhaltlich möchte ich auch gar nicht mehr verraten, da dies es mit die Spannung ausmacht, nicht genau zu wissen wohin sich die Geschichte entwickelt.
Die Figur des Bernd Menkhoff ist auch aus anderen Büchern des Autors bekannt und ich habe mich gefreut sie hier wieder zu treffen. Er ist sympathisch mit Ecken und Kanten, um es vereinfacht darzustellen. Ein wenig enttäuscht haben mich in "Der Sarg" die Nebenfiguren, da zum Ende hin vieles in der Luft hängen bleibt und nur der Haupthandlungsstrang aufgeklärt wird. Die übrigen Figuren werden nicht mehr aufgegriffen und die offenen Fragen in ihrem Verhalten und Wesen, die sie mit zu Verdächtigen machten, daher nicht beantwortet. Insgesamt gesehen lässt sich das Buch jedoch sehr flüssig lesen und es fällt leicht mit Spannung dabei zu bleiben und seine Vermutungen bestätigen oder auch zerstören zu lassen. Überraschen konnte mich die Auflösung zwar nicht, aber unterhalten konnte mich das Buch über einige Stunden hinweg sehr wohl.
Empfehlen kann ich "Der Sarg" daher wieder allen Lesern, die gerne Thriller lesen, die ohne blutige Gemetzel auskommen. Wer noch kein Buch von Arno Strobel gelesen hat, dem lege ich auch insbesondere "Der Trakt" und "Das Wesen" ans Herz.

So habe ich bewertet:





Und hier kann man das Buch kaufen:  Arno Strobel: Der Sarg

Freitag, 4. Januar 2013

Barbara Wood: Das Perlenmädchen


Tonina war schon immer eine Außenseiterin auf der Perleninsel. Sie ist zu groß, zu schlank und hat zu helle Haut, um in den Augen der Inselbewohner hübsch zu sein. Ihre Eltern fanden Tonina in einem Korb als sie noch ein Baby war.
Doch Tonina ist die beste Perlentaucherin. Keine andere kann so lange unter Wasser bleiben wie sie und auch Männer verlieren gegen sie im Wettschwimmen. Doch damit macht sich Tonina auch Feinde und ihren Eltern bleibt nichts anderes übrig, als sie unter einem Vorwand aufs Festland zu schicken. Sie soll eine rote Blume finden, die alle Krankheiten heilt.
Tonina gerät mitten nach Mayapan, einer Stadt der Mayas und muss sich nun vor anderen Gefahren und Intrigen in Acht nehmen.

Die Einblicke in die Kultur der Maya und Azteken, die Autorin Barbara Wood ihren Lesern in "Das Perlenmädchen" gewährt, fand ich sehr interessant.
Ich bin aber nun dennoch enttäuscht, denn von diesem Buch hatte ich mir mehr versprochen. Ich habe schon viele Bücher von Barbara Wood gelesen und die meisten haben mir besser gefallen.
Insgesamt gesehen fand ich die Erzählung in "Das Perlenmädchen" zu langatmig um wirklich fesselnd zu sein.
Mit den Hauptfiguren bin ich nicht richtig warm geworden, die Nebenfiguren wie den kleinwüchsigen Einauge und das alte Kind Ha’meen fand ich dagegen faszinierend. Einige Figuren waren mir zu einseitig und die Erzählung wirkte oft etwas von oben herab, wie wenn ein Naturforscher das ganze beobachtet und dann erzählt. Ich denke es hätte mir besser gefallen, wenn die Autorin eine persönlichere Erzählperspektive gewählt hätte.
Ein nettes Zubehör wäre auch eine Karte gewesen, so dass man die Entfernungen die im Roman zurückgelegt werden, besser einschätzen könnte. So habe ich mich mit dem Internet beholfen.
Empfehlen kann ich "Das Perlenmädchen" dennoch an alle an der Kultur der Maya und Azteken interessierte Leser.

So habe ich bewertet:


Und hier kann man das Buch kaufen: Barbara Wood: Das Perlenmädchen

Dienstag, 4. Dezember 2012

Carlos Ruiz Zafón: Marina


"Marina" ist das erste Buch von Carlos Ruiz Zafón, das er für erwachsene Leser geschrieben hat. Im Vorwort bezeichnet er dieses Buch auch als sein persönlichstes.
Ich habe sowohl einige der Bücher für Erwachsene, als auch für Jugendliche des Autors gelesen und bin der Meinung, dass "Marina" näher an "Der dunkle Wächter" ist, als an "Der Schatten des Windes".
Die Hauptfiguren sind nun ein wenig älter als in den Jugendbüchern, doch inhaltlich hat es doch eher was von einer Geschichte über das Erwachsenwerden, gepaart mit Drama und Schauerroman.
Aufgegriffen hat Zafón hier das Thema Frankenstein und künstliches Leben, was ich auch interessant fand.
Die Hauptfiguren Oscar und Marina waren mir sympathisch und natürlich hat auch der Prolog, der im Grunde genommen das Ende der Geschichte ist, Lust auf mehr gemacht. Aber dennoch hat "Marina" einige Längen für mich, die sich insbesondere im Mittelteil auftaten. Da dieses Buch eigentlich nicht sonderlich dick ist, hätte ich es für kurzweiliger gehalten. Insgesamt gesehen kann ich daher nur sagen, dass dieses Buch unterhalten kann, aber nicht fesseln. Wer auch die Jugendbücher von Carlos Ruiz Zafón gelesen hat und wem diese gefallen haben, dem kann ich jedoch auch "Marina" uneingeschränkt empfehlen.

So habe ich bewertet:


Und hier kann man das Buch kaufen: Carlos Ruiz Zafón: Marina

Montag, 3. Dezember 2012

Linda Castillo: Wenn die Nacht verstummt


Ein schrecklicher Unfall hat vier Amish-Kinder zu Waisen gemacht. Auf der Farm der Slabaughs wurden Eltern und Onkel im Schweinestall tot in der Grube aufgefunden. Alles sieht danach aus, als wären sie am Methangas erstickt. Doch die Obduktion offenbart die Wahrheit: Die Familie wurde ermordet. Chief Kate Burkholder übernimmt die Ermittlungen. In der Region hatte es schon seit einiger Zeit Hassverbrechen gegen Mitglieder der Amish-Gemeinde gegeben. Hat der Täter nun alle Hemmungen verloren? Agent John Tomasetti wird nach Painter‘s Creek geschickt um die örtliche Polizei zu unterstützen. Gemeinsam kommen sie allmählich den Hintergründen auf die Spur und wieder einmal hilft Kates eigener Amish Hintergrund dabei alles zu verstehen. 

Nach "Die Zahlen der Toten" und "Blutige Stille" handelt es sich bei "Wenn die Nacht verstummt" um den dritten Band der Reihe rund um Kate Burkholder.
Was diese Bücher von vielen anderen Thrillern unterscheidet, ist der Hintergrund der Geschichten in einem Ort mit Amish-Gemeinden. Der Leser erhält hier neben dem Unterhaltungsfaktor viele Informationen über das Leben in einer Amish-Gemeinschaft, ohne dies jedoch zu sehr zu kritisieren oder zu romantisieren. Die Fälle von Kate Burkholder entsprechen vielleicht nicht unbedingt dem, was ein Hardcore-Thriller-Fan erwartet, doch mir gefällt es sehr gut, dass hier nicht die Tat für sich im Vordergrund steht, sondern die Gemeinschaft und Menschen in Painter’s Creek. Im Vergleich zu Linda Castillos anderen beiden Büchern der Reihe konnte mich "Wenn die Nacht verstummt" jedoch nicht so sehr überzeugen. Dies liegt hauptsächlich an der Auflösung des Falles, wovon ich auch nicht mehr verraten möchte. Die interessanten Figuren und Erzählstränge haben mich jedoch trotzdem gut unterhalten. Ich kann das Buch daher an alle empfehlen, die auch bereits die ersten beiden Bücher gelesen haben. Allen anderen empfehle ich mit "Die Zahlen der Toten" zu beginnen.


So habe ich bewertet:


Und hier kann man das Buch kaufen:  Linda Castillo: Wenn die Nacht verstummt